Der Atem verändert sich ständig: Morgens riecht er anders als am Abend zuvor. Er verrät, ob wir Knoblauch gegessen oder Alkohol getrunken haben. Und eine Vielzahl von Krankheiten schlägt sich auch im Atem nieder. Gibt es angesichts dieses fortwährenden Wandels Konstanten, die den persönlichen Atem von dem anderer unterscheiden? Hat jeder Mensch einen individuellen "Atemabdruck" oder breathprint, wie es auf Englisch heißt?

Forscher der ETH Zürich behaupten: Ja. Im Jahr 2013 veröffentlichten sie in der Zeitschrift PLOS One die Ergebnisse einer Testreihe mit elf Probanden, deren Atem sie im Verlauf von neun Tagen immer wieder mit einem Massenspektrometer analysiert hatten. Die chemische Zusammensetzung variierte erwartungsgemäß bei jeder der Testpersonen. Und die Unterschiede zwischen ihnen waren groß genug, um aus der Atemanalyse mit 76 Prozent Trefferquote auf die jeweilige Person zu schließen.

Nun sind elf Probanden eine sehr kleine Gruppe – das Ergebnis bedeutet nicht, dass ihr "Atemabdruck" völlig einzigartig wäre. Wirklich individuell ist allerdings unser Erbgut. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben in diesem Jahr im Rahmen einer Krebsstudie nachgewiesen, dass unsere Atemluft winzige Gewebeteilchen aus der Lunge enthalten kann. In denen wiederum fanden die Forscher Schnipsel von Erbmolekülen. Und wenn ein Mensch eine feuchte Aussprache hat, ist das, was aus dem Mund kommt, besonders individuell: Aus einem Speicheltropfen lässt sich nämlich sehr leicht das Erbmolekül DNA isolieren.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio