So billig kommt das Hamburger Unternehmen Evotec vielleicht nie wieder an Geld: Der Biotechnologiekonzern erhält einen Kredit über 75 Millionen Euro aus dem "Juncker-Fonds" der Europäischen Union. Bemerkenswert sind die Konditionen: Die Kreditzinsen sind erfolgsabhängig und müssen nur dann bezahlt werden, wenn sich die Produkte von Evotec am Markt durchsetzen. Scheitern die Projekte, ist der Kredit kostenlos. Nie zuvor habe der Juncker-Fonds eine solche Summe zu diesen eigenkapitalähnlichen Konditionen vergeben, heißt es beim Geldgeber.

Der Deal nützt nicht nur Evotec, er könnte auch dem umstrittenen Fonds zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen – und damit der Wirtschaftspolitik der Europäischen Kommission.

Die Kommission sieht sich mit einer Herausforderung konfrontiert: Unternehmen haben viele Zukunftsideen – neue, innovative Medikamente oder langlebigere Batterien –, deren Umsetzung erst einmal viel Geld kostet und auch noch leicht scheitern kann, bevor sie den ersten Cent einspielt. Damit Unternehmen das Wagnis eingehen, solche Technologien zu entwickeln, ist es sinnvoll, wenn die öffentliche Hand Geld zur Verfügung stellt. Der umstrittenste Weg ist es, sie zu subventionieren; ihnen also Fördermittel zu spendieren, die sie nicht zurückzahlen müssen. Deutlich sinnvoller ist es, jenen Firmen Geld zu leihen, die an innovativen Technologien forschen.

Will ein Staat Investitionen fördern, kann er es elegant anstellen und Kredite vergeben

Genau das tut der Fonds, den Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im November 2014 vorgestellt hat. 21 Milliarden Euro musste er dafür zusammenkratzen: 16 Milliarden hat die EU-Kommission aus bereits bestehenden Förderprogrammen gebündelt, fünf weitere kommen von der Europäischen Investitionsbank (EIB), unter deren Schirmherrschaft die Kredite nun vergeben werden.

Die Idee: Der Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI) soll jene europäischen Firmen unterstützen, die von Banken, Versicherungen, Pensionsfonds oder selbst Wagniskapitalgebern kein Geld bekommen, weil das Risiko zu groß ist, dass sie ihr Geld im (wahrscheinlichen) Falle einer Pleite nie wiedersehen. Der EFSI garantiert in diesem Fall, mit jedem investierten Euro zuerst einzuspringen. Das soll das Risiko für private Investoren verringern und ihren Appetit auf ein Investment wecken. Mit den 21 eingesetzten Milliarden soll Kapital von 315 Milliarden Euro zusammenkommen: Auf jeden Euro, den der Fonds ausgibt, sollen private Investoren also 15 Euro drauflegen, so die Zielrechnung. Wenn das Modell funktioniert, würde der Staat also genau das tun, was er soll: etwas ankurbeln, was sonst im Sande verläuft.