Als Feingeist war er bislang nicht aufgefallen. Nicht als Kulturbürger mit Tiefendrang, auch nicht als einer dieser Sammlerfürsten, ewig unterwegs von einem Galerien-Dinner zum nächsten Messebesuch. Nein, Jochen Zeitz hat sich als Manager einen Namen gemacht, wortkarg und strebsam, die Rendite und sein Millionensalär beständig im Blick. Mit 30 war er bereits ganz oben, war der Puma-Mann, der umjubelte Chef des Sportkonzerns, von der Branche mehrmals zum Strategen des Jahres gekürt. Bis er irgendwann ausbrach und ein neues Leben begann: ein Leben für Afrika und für die Kunst.

Nur bitte keine Missverständnisse, das sagt er gleich, als wir uns in Kapstadt begegnen, ein Sammler sei er nicht. "Und ich wollte auch nie ein Sammler sein." Er besitzt einfach nur sehr viele Gemälde, Fotografien, Videos, auch raumfüllende Installationen. Und wahrscheinlich ist niemand sonst auf der Welt so einflussreich wie er, wenn es um junge afrikanische Kunst geht. Aber Zeitz, der eigentlich immer so aussieht, als wolle er gleich segeln gehen, Leinen los, raus aufs offene Meer, Zeitz beharrt darauf, es sei ihm nie ums Horten und Anhäufen und auch nicht um die Werke selbst gegangen. "Es ging von Anfang an ums Museum."

Dieser Anfang liegt gerade mal zehn Jahre zurück, und nun, kommende Woche, ist es so weit, das Museum sperrt seine Pforten auf, und für den Kontinent könnte eine neue Zeitrechnung beginnen: so etwas wie die Zeitz-Epoche.

Da schüttelt er sich, so ein Gedröhn will er nicht hören. Ehrgeiz, den hat er, aber missionarischen Eifer wird man ihm kaum nachsagen können. Nicht große Worte sind ihm wichtig, eher schon sind es schlichte Fragen. Mit einer solchen Frage ging es los, mit der Verwunderung darüber, warum es in Afrika kein Guggenheim gibt, keine Tate Modern, kein eigenes großes Museum für zeitgenössische Kunst.

"Oft wurde Afrika ja von außen definiert", sagt Zeitz, "ein großes Unverständnis hat das Bild des Kontinents geprägt." Deshalb will er, dass endlich andere Bilder prägend werden. Sein Kunsthaus, das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, soll sich mit Selbstbewusstsein füllen, mit neuem Stolz auf das Eigene.

Noch immer wird die Kunstwelt, die sich gern liberal und fortschrittlich gibt, von halb kolonialen Mächten bestimmt. Noch immer herrschen London, New York, Berlin, und wer als afrikanischer Künstler erfolgreich sein will, der muss auf die Biennale in Venedig, auf die Documenta, der muss sich im geldsatten Norden einen Namen machen. Hier und da gab es zaghafte Versuche, das zu ändern, mit der Biennale in Dakar oder der National Art Gallery in Ruanda. Doch ein Haus wie das von Jochen Zeitz, das ganz auf Gegenwart setzt und darauf, dass Afrika sich selber wertvoll wird, das fehlte bislang.

Gesammelt wird nur, was nach dem Jahr 2000 entstanden ist. "Wir wollen nicht die Vergangenheit abarbeiten", sagt Zeitz, ganz forscher Entrepreneur. "Wir wollen die Zukunft mitgestalten."

Allerdings hat er sich dafür einen Ort gesucht, der tief in der Geschichte der Ungleichheit und Ausbeutung wurzelt. Südafrika sollte es sein, ein Land, in dem die Apartheit noch immer nachwirkt. Und wo zugleich die Touristenströme anbranden, um die Schönheit des Landes zu erkunden. Weit über 20 Millionen Besucher zählt Kapstadt im Jahr, und wenn es nach Zeitz geht, sollen sie alle auch bei ihm landen, an seinem Kunstkap der guten Hoffnung.

Viel spricht dafür, dass seine Pläne aufgehen werden. Selbst wer sich für zeitgenössische Werke eher wenig interessiert, wer von Edson Chagas, Nandipha Mntambo, Kehinde Wileys und den vielen anderen großartigen Künstlern des Museums noch nie gehört hat, wird verlockt sein, bei Zeitz vorbeizuschauen. Denn jeder wird das Bauwerk sehen wollen, diese Architektur, die auf mitreißende Weise vorführt, worum es hier geht: um die Kunst der Verwandlung.

Seit fast 100 Jahren stehen sie schon an Kapstadts Hafenbecken, dumpf aufragende Zylinder, lauter Siloröhren aus Beton. Hier floss zusammen, was im südlichen Afrika geerntet worden war, hier verließ den armen Kontinent, was manche Hungersnot hätte verhindern können: Getreide, das mit Güterzügen aus dem Landesinneren herangebracht wurde und per Schiff von dannen zog, vor allem gen Norden. Das Silo stand für jenen Reichtum, der Afrika arm machte.