Es gibt da viele schöne und viele schön blöde Ideen. So sollen sich Besucher des Städel Museums in Frankfurt vor der Toilette fotografieren und ihre Selfies auf Instagram posten, angeblich um Marcel Duchamp kreativ zu gedenken. In Karlsruhe fordert unterdessen die Kunsthalle ihre Besucher dazu auf, anlässlich einer Ausstellung zur Landschaftsmalerei einen Ausflug in die Natur zu unternehmen und dabei Instagram und Facebook mit lustigen Einträgen zu versorgen, natürlich unter der Vorgabe entsprechender Hashtags.

Viele Museen sind neuerdings dem Social-Media-Wahn verfallen. Man will jung sein und populär, man will gelikt werden und für sich werben. Auch in diesem Herbst wird es mit dieser Art von publikumsgenerierter Kunstreklame fröhlich weitergehen. Neben regulären Führungen gibt es in vielen Museen jetzt auch "Instawalks", alles, was in den Ausstellungsräumen hängt und den Teilnehmern auffällt, wird unmittelbar ins Netz gestellt. Wie es aussieht, wird das Smartphone zum wichtigsten Wahrnehmungsorgan.

Dass es auch anders geht, zeigt das Fotografie-Museum C/O Berlin mit seinem Herbstprogramm. Workshops laden zum genauen Hinsehen ein, es lassen sich analoge und digitale Kameratechniken ausprobieren. Das Ziel: persönliche Erfahrung statt Instagram-Banalität. Eine weitere Ausnahme machen die Workshops Gelenkt, Gesteuert, Gelogen des Lenbachhauses in München, die unter anderem über digitale Manipulation aufklären wollen.

Ansonsten scheinen Museen nicht gerade ein Ort zu sein, an dem Besucher sich kritisch mit dem Gebrauch der sozialen Medien auseinandersetzen sollen. Im Gegenteil, die Kunstszene zeigt sich geradezu unterwürfig und verabschiedet sich von tieferen Erfahrungsmöglichkeiten. Eine persönliche Beziehung zwischen Mensch und Kunst ohne Smartphone scheint fast schon unerwünscht.

Da könnte man glatt meinen, künftig würden Unternehmen wie die iVision Entertainment GmbH das Ausstellungsgeschäft übernehmen. Die Firma hat die Schau Von Monet bis Kandinsky produziert, bis Januar 2018 in der Alten Münze in Berlin zu sehen. Keine Originale warten auf den Besucher, dafür eine riesige Projektionsfläche, auf der Videos aus über 1.500 digitalisierten Bildelementen ablaufen. Mit Monet und Kandinsky hat diese mittelprächtige Show nichts mehr zu tun, doch für Unterhaltung ist gesorgt.

Schon seltsam, dass ausgerechnet die Museen ihre eigenen Ideale so rasch verraten haben. Eine Theateraufführung, ein Film, ein Konzert oder ein Buch gelten ja gerade dann als besonders empfehlenswert, wenn man vollständig in ihre künstlerischen Welten eintauchen, das heißt den Alltag und sein Smartphone vergessen kann. Auch in einer gelungenen Kunstausstellung kann man sich innerlich treiben lassen und seinem Social-Media-Alltag entkommen. Doch davon scheinen die Kuratoren nichts mehr wissen zu wollen.