Die Älteren erinnern sich vielleicht noch: "Vertrauen ist der Anfang von allem". Mit diesem Spruch warb die Deutsche Bank in den neunziger Jahren, und man kann nicht sagen, dass er falsch war. Mit Vertrauen fing nämlich wirklich alles an, die Kirch-Pleite, diverse Zinsmanipulationen, Geldwäsche in Russland, krumme Hypothekengeschäfte in den USA und andere Dinge. Ist lange her.

Dennoch war die Deutsche Bank stilbildend in Vertrauensfragen. Kaum ein Unternehmen, das heute nicht ebenfalls um Vertrauen wirbt. "Goldkauf ist Vertrauenssache" wissen Edelmetallhändler. "Welpenkauf ist Vertrauenssache", schreiben Hundezüchter, und auch der Kauf von Fleisch, Küchen und Computern ist Vertrauenssache, sagen Metzger, Kücheneinrichter und Elektronikhändler. Was alles total sympathisch klingt, weil man ja auch die vielen Gesetze zu Gewährleistungsrechten oder zu Schadensersatz nicht bräuchte, wenn man glauben dürfte, dass Metzger und Bankberaterin ihre Kunden so lieb haben wie Mama und Papa ihren Dreijährigen.

Manche Volkswagenhändler werben heute noch mit "Autokauf ist Vertrauenssache" und beweisen Sinn für Humor. Man kann ihnen das nicht mal übel nehmen, weil sie ja wahrscheinlich ebenfalls auf das vertraut haben, was ihnen der Autokonzern erzählt hat, es jetzt aber voll abbekommen, wenn sich die Endkunden beschweren, die wiederum ihnen vertraut haben. Wegen der Diesel-Sache.

Das erinnert an das alte Makler-Mantra "Immobilienkauf ist Vertrauenssache". Und da sind wir fast schon wieder in der Finanzbranche angekommen, denn auch Immobilienfinanzierung ist, na klar, Sie wissen es längst. Der Kreis schließt sich. Es geht schön los, und am Ende steht man allein da, alle sind weg, und das Geld ist es auch. Kontrollzwang wirkt ungesund, aber was soll man tun? Mit Vertrauen fängt alles nur an, so viel steht fest. Doch hinterher, da weiß man immer mehr.