"Hamburg muss keine Weltstadt sein", hat Umweltminister Jens Kerstan gesagt, man müsse "nicht um jeden Preis weiterwachsen". Das stimmt, die Stadt wächst schneller, als ihr guttut. Dank krass steigender Immobilien- und Mietpreise steuert man auf Münchner Verhältnisse zu. Rente beziehen, aber kein Wohneigentum besitzen, das könnte in Hamburg irgendwann Armut bedeuten.

Es geht also um eine Wachstumsdebatte, aber mit dem Weltstadt-Begriff lässt sich besser agitieren. Letztlich zeigt sich im Gezeter der Oppositionsparteien, die Kerstan als Spießer und Kleinredner beschimpfen, nur das Dilemma einer komplexbeladenen städtischen Elite, die es nicht verkraften kann, zweitklassig zu sein – in der nach Berlin zweitwichtigsten, zweitgrößten Stadt im wichtigsten Land Europas zu leben.

Ob Hamburg eine moderne Weltstadt ist, hängt von vielen Faktoren ab, aber nur wenige stehen zur Disposition. Der Welthandel, der Hafen, die Internationalität, die sich durch die neue Zuwanderung noch einmal vergrößert hat – man denke an die großen Gruppen der türkischen und polnischen Einwanderer –, dies alles sind unhintergehbare Zeichen für Metropolität.

Nur im kulturellen Sinne ist Hamburg keine Weltstadt. Man war hier, anders als Berlin, Wien oder München, nie Zentrum einer großen künstlerischen Bewegung. So eine Erstklassigkeit lässt sich auch nicht mit einem Rolling-Stones-Konzert herstellen.