In Immobilienportalen zu stöbern – das ist keine nette Sache, selbst nicht für Eltern, die frisch geerbt haben oder die bereit sind, sich bis zum 95. Lebensjahr zu verschulden. Auch bei hochpreisigen Neubauwohnungen in Stadtlagen beträgt die Zahl der Zimmer fast niemals vier. Eine Fünf- oder gar Sechszimmerwohnung ist illusorisch. Dabei braucht schon eine vierköpfige Familie, die öfter Besuch von den Großeltern bekommt oder ein Home-Office benötigt, theoretisch fünf Räume.

Sind selbst Familien mit viel Geld in der Stadt nicht mehr vorgesehen? An der puren Wohnungsgröße kann es nicht liegen, es werden genug Objekte mit 150 oder mehr Quadratmetern angeboten. Eine Fläche, bei der fünf Zimmer locker drin wären. Heute hat eine solche Wohnung oft nur dreieinhalb Räume. Solche Säle sind praktisch, um den Elektrorollstuhl auch bei Regen zu bewegen. Aber was ist mit den Rentenzahlern von morgen und übermorgen? "Raus aufs Land" kann eigentlich nicht die einzige Lösung sein – oder doch?

Willkommen auf dem erbarmungslosen Wohnungsmarkt. Der ist erstens leer gefegt. Und wo noch nicht, sagt Torsten Flomm, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbands Hamburg, richte er sich zweitens "nach der Nachfrage, nicht nach Wunschvorstellungen". Wohnungen in der Stadt suchen vor allem gut verdienende Alleinstehende – 54 Prozent der Haushalte in Hamburg sind Einpersonenhaushalte –, auch Investoren aus der ganzen Welt interessieren sich für hochwertige und hochpreisige single- oder paarfähige Wohnungen in guter Lage, sagt Siegmund Chychla vom Hamburger Mieterverein, "das ist wie in London vor zehn Jahren". Erst unter "ferner liefen" kommen die Familien: Nur in 17 Prozent der Hamburger Haushalte gibt es noch Kinder im schulpflichtigen Alter. Ein Teil von ihnen lebt entweder in prekären Verhältnissen oder in Häusern oder Villen am Stadtrand. Ansonsten passen Eltern die Zahl ihrer Kinder an ihre Wohnung an, kultivieren kreative Formen der Wohnraumnutzung, und ein paar Glückliche haben eine der seltenen zugigen Altbauwohnungen erwischt und halten den Vermieter verzweifelt bei Laune.

Für Bauträger aber gilt: Wieso sollten sie für Familien bauen, wenn sie für eine mehr als fünfmal so große Klientelgruppe bauen können? "Bei Kosten ab 7.000 Euro pro Quadratmeter lichten sich die Reihen der Interessenten noch mehr", sagt Chychla. Würden familienfähige Objekte doch noch errichtet, "dann nur auf Bestellung in Spitzenlagen". Und sollte es so eine Traumwohnung doch auf den Markt schaffen, taucht sie nicht in Immobilienportalen auf: Für solche "Sahne-Objekte" führen die Makler Interessenten-Wartelisten.

Familien als Auslaufmodell, der freie Markt als Gestalter der Städte – wer daran etwas ändern kann? Die Politik! Ansonsten wissen nur reiche Eltern, was zu tun ist. "Sie kaufen zwei kleinere benachbarte Wohnungen", sagt Torsten Flomm, "und legen die dann zusammen."