Zwei Freunde gründen ein Start-up. Sie haben keine Ahnung, wie man ein Unternehmen aufbaut, aber sie sind überzeugt von ihrem Produkt: in ihrer Stadt einen Sport groß zu machen, den dort nur noch wenige spielen und den kaum jemand professionell betreibt. Sie wollen den Sport in ein Viertel bringen, in dem einer der beiden Freunde aufgewachsen ist und das in der Öffentlichkeit gern mit Problemen verbunden wird.

Die Freunde heißen Marvin Willoughby und Jan Fischer.

Das Produkt, das sie verkaufen: Basketball.

Das Viertel, in das sie gehen: Wilhelmsburg.

Drei Jahre gibt es das Projekt nun. Die erste Mannschaft der Hamburg Towers spielt in der zweiten Bundesliga. In zwei von drei Spielzeiten erreichte das Team die Ausscheidungsrunde, in der die Aufsteiger in die erste Liga ermittelt werden. Das Interesse der Zuschauer stieg: 2.841 kamen in der ersten Saison, 2.865 in der zweiten, 3.047 in der dritten, der beste Schnitt der Liga. Der Sport ist im Stadtteil angekommen. Der Verein ist wirtschaftlich erfolgreich. Seine Spiele gehören zu den wichtigsten Sport-Events der Stadt.

Die beiden Freunde könnten zufrieden sein, sich zurücklehnen. Stattdessen setzen sie sich jetzt, da am Freitag die vierte Saison beginnt, erst so richtig unter Druck.

"Wir sollten in dieser Saison um die ersten vier Plätze mitspielen", sagt Jan Fischer. "Die Tendenz muss aufsteigend sein, wir wollen Richtung erste Liga."

"Wir können nicht noch drei Jahre in der zweiten Liga bleiben", sagt Marvin Willoughby. "Wenn nichts passiert, ist irgendwann der Hype um unseren Verein vorbei."

Der Hype soll weitergehen. Deshalb muss jetzt der dritte Schritt folgen: Erst gab es eine Idee, dann wurde aus der Idee ein Projekt. Jetzt soll aus dem Projekt ein Unternehmen werden.

Die Idee

Als sie sich das erste Mal trafen, waren sie Teenager. Mitte der Neunziger war das, Willoughby war gerade aus Wilhelmsburg nach Wedel gewechselt, zum SC Rist, zweite Bundesliga. Er galt als eines der größten Talente des Landes. Fischer war nie so gut, spielte aber im selben Verein. Die beiden hatten gemeinsame Freunde, mit denen sie sich nach dem Training trafen.

Bald ging das nicht mehr, denn Willoughby zog weiter, nach Würzburg, in Hamburg gab es keine Erstliga-Mannschaft. Aber der Kontakt riss nicht ab, Fischer und seine alten Freunde aus Wedel kamen ihn besuchen. Willoughby spielte mit Dirk Nowitzki, wurde Nationalspieler und Vierter bei der Europameisterschaft. Fischer blieb in Hamburg, spielte weiter in Wedel und studierte an der Uni, Soziologie im Hauptfach, Sport und Psychologie im Nebenfach. In einem Seminar ging es um das Thema Sportvereine: Wie sind sie entstanden? Wie sind sie rechtlich organisiert? Wie wirtschaftlich? Fischer wusste nicht, dass er sich mit diesen Fragen auf seine eigene Zukunft vorbereitete.

Willoughbys Karriere endete früh: Verletzungen, Reha. Wie sollte es mit ihm weitergehen? Er war erst 27, konnte aber nicht mehr spielen. Also ging er dorthin zurück, wo er immer leben wollte, nach Hamburg. Mit Freunden fasste er dort einen Plan: Wäre es nicht was für uns, mit Kindern und Jugendlichen aus härteren Vierteln Basketball zu spielen? Ihnen diesen Sport zu geben, der uns zusammengeführt hat? Ihnen eine Perspektive zu geben?

Sie alle wollten es. Jan Fischer wusste, wie man es umsetzt. Sie gründeten einen Verein und veranstalteten Camps. Die Rollenverteilung war klar: Willoughby, der ehemalige Star-Spieler und Nowitzki-Freund, war das Gesicht der Aktion, er sollte die Jugendlichen begeistern. Für den Rest waren die anderen zuständig. Vor allem Jan Fischer.

Die Idee ging auf. Die Camps waren ausgebucht, es gab erste Kontakte zur Stadt, die den Versuch unterstützte, mit Basketball Sozialarbeit zu machen. Die Freunde hatten einen zweiten Gedanken: Wollen wir nicht diesen Verein zu etwas Größerem machen? Brauchen wir nicht eine professionelle Basketballmannschaft in Hamburg?