Wer glaubt, dass sich Familien über Geld leicht zerstreiten, der sollte mal mit jemandem wie Jan Wille reden. Das Leben des Mittdreißigers zeigt, wie Geld Familien zusammenhält – sogar, wenn es permanent knapp ist. Dass Wille studieren konnte und heute als Marketingmanager arbeitet, das hat er zum Beispiel seiner Tante zu verdanken. Sie unterstützte seine Mutter, die ihn und zwei Geschwister alleine großziehen musste, zahlte der Familie Heizung und den Strom; sie riet ihm zum Studium, sie lieh ihm Geld. Als Wille anfing zu arbeiten, zahlte er es in Raten zurück und unterstützte seine Schwester. Zusammen mit seinen Geschwistern legt er nun monatlich ein paar Hundert Euro zurück, um der Mutter im Ruhestand ein besseres Leben und später bei Bedarf ein Pflegeheim finanzieren zu können. Außer der Grundsicherung im Alter habe sie kaum Rente zu erwarten, sagt Jan Wille: "Zusammen kriegen wir das hin. Familie ist halt wichtig."

Das gilt auch in einer Zeit, in der sich Angehörige über ihr Heimatland oder die ganze Welt verteilen und es kaum noch jemanden interessiert, ob Eltern verheiratet sind oder nicht, wenn sie Kinder bekommen. "Die Deutschen sind ihren Angehörigen gegenüber sehr solidarisch eingestellt und unterstützen einander über Generationsgrenzen hinweg, obwohl oder gerade weil wir einen starken Sozialstaat haben", sagt Konstantin Kehl, Sozialforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Botschaft: Das Familienbild mag sich wandeln, der Zusammenhalt bleibt.

Studien belegen das. So zeigt der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe, dass in Deutschland die Alten den Jungen und die Jungen den Alten öfter etwas schenken als in den meisten anderen erfassten europäischen Ländern. Demnach unterstützt jeder dritte Senior mindestens einmal im Jahr eins seiner Kinder oder Enkelkinder mit 250 Euro oder mehr. Jeder Zehnte erhielt 250 Euro oder mehr von seinen Angehörigen.

Finanzielle Hilfen für Familie und Freunde

Für wen Leser von ZEIT und ZEIT ONLINE Geld zurücklegen

Quelle: Eigene Umfrage © ZEIT-Grafik

ZEIT GELD befragte dazu auch 300 Leser der ZEIT und von ZEIT ONLINE: Jeder Zweite unter 35 unterstützt demzufolge einen Angehörigen; unter den Befragten über 65 helfen sogar neun von zehn ihren Verwandten, meist Kindern und Enkeln. Die Befragung ist nicht repräsentativ, zeigt aber, dass Menschen bei Vorsorge selten nur an sich selbst denken.

Darüber zu reden ist vielen unangenehm, weswegen die Gesprächspartner für diesen Text darum gebeten haben, ihre Namen zu ändern. Jan Wille zum Beispiel möchte anonym bleiben, um seine Mutter zu schützen; er erzählt, dass es ihr stets schwergefallen sei Hilfe anzunehmen. Außerdem sucht er selber gerade eine neue Wohnung, er ist nämlich Vater geworden. Und mögliche Vermieter sollen nicht mehr über die finanziellen Verhältnisse der Familie erfahren als nötig.

Für die Kinder sparen

Kommt Nachwuchs, legen Eltern wie Großeltern Geld an. Man sorgt vor, damit der Sohnemann oder die Enkelin mit 18 den Führerschein bezahlen kann, die Miete während der Ausbildung oder den Auslandsaufenthalt im Studium. Doch die Freude über den Nachwuchs mache anfällig für unkluge Entscheidungen, hat Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg beobachtet: "Viele lassen sich von ihrer Bank Finanzprodukte andrehen, die teuer und unnütz sind." Kapitallebensversicherungen zum Beispiel, die kaum Ertrag bringen, ein Leben lang laufen und vom Kind mit 18 übernommen werden sollen. "Damit verschafft man dem Nachwuchs keine Freiheit, sondern nimmt ihn in die Pflicht", sagt Becker-Eiselen. Oft sind solche Produkte mit Anwartschaften auf Schul- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen verbunden oder schließen einen Unfallschutz mit ein – was sie teuer und kompliziert macht. Ähnlich ist es mit Ausbildungsversicherungen, die Rentenversicherungen mit einer Risiko-Lebensversicherung für den Einzahler verknüpfen.

Eine übersichtliche und wirksame Vorsorge trennt dagegen die Geldanlage vom Risikoschutz. Wer für seine Nachkommen sparen will, der kann das schon mit einem einfachen Tagesgeldkonto tun. Es bringt in Niedrigzinsphasen wie im Moment zwar kaum Rendite, regelmäßige Sparraten disziplinieren aber beim Vermögensaufbau. Zudem ist das Geld jederzeit verfügbar, falls es schon früher gebraucht wird. Mehr Ertrag bietet in aller Regel ein Sparplan auf sogenannte ETFs. Wer in sie investiert, zahlt kaum Gebühren, weil ETFs automatisch einen Aktienindex nachbilden, zum Beispiel den deutschen Dax. Bei einer Anlage über einen langen Zeitraum kann man sich nach historischer Erfahrung einigermaßen sicher sein, eine ordentliche Rendite zu erzielen – und bis das Neugeborene erwachsen ist, vergehen ja zwei Jahrzehnte.

Auch wer schon zur Geburt einen größeren Betrag anlegen will, ist mit ETF-Anteilen gut bedient. Für sogenannte aktive Fonds, deren Investments von Managern ausgewählt werden, fallen höhere Gebühren an, das schmälert die Rendite. Sie ergeben vor allem dann Sinn, wenn man sein Geld gezielt anlegen will. So hat der Fondsanbieter Ökoworld gerade den "Rock ’n’ Roll Fonds" aufgelegt, der sich als "erster Elternfonds" der Welt an "Erwachsene 50plus und Senioren 70plus" richtet. Wer Anteile erwirbt, muss 10.000 Euro investieren, zahlt fünf Prozent Ausgabeaufschlag und jedes Jahr 1,76 Prozent Gebühren. Dafür investiert der Fonds sein Kapital nach ökologischen und sozialen Kriterien nicht nur in ausgewählte Aktien, sondern auch in Kindergärten, Studentenwohnheime und Universitäten. Wem es also nicht nur um Rendite für den Nachwuchs geht, sondern um die Nachwelt insgesamt, der kann ein solches Angebot in Betracht ziehen.