Wenn der Herbst kommt, wird es wieder bunt. In den Wäldern beginnen die Blätter zu leuchten, und in den urbanen Zentren, wo nur wenige Bäume stehen, hüllen sich die Stadtbewohner in farbenfrohe Jacken von Jack Wolfskin, North Face oder Helly Hansen. Sie trotzen der Natur und stellen sich der urbanen Wildnis. Die Stadt ist ein Dschungel. Aber darum geht es diesmal nicht. Es geht um die Kleidung. Und um ihre Funktion.

Ohne Funktionskleidung geht heute kaum noch jemand auf die Straße. Was aber ist damit eigentlich gemeint? Funktionen können ja höchst unterschiedlich sein: Sie reichen von winddicht und wasserdicht über strapazierfähig, elastisch und UV-beständig bis hin zu schwer entflammbar oder elektrisch abschirmend (interessant für Elektriker und Aluhut-Träger). Abgesehen davon erfüllt jedes Kleidungsstück eine Funktion – was die Bezeichnung Funktionskleidung wiederum entbehrlich macht. Ein Mantel wärmt, eine Basecap hält die Sonne aus dem Gesicht, und Schuhe schützen die Füße vor Splittern und Scherben. Eine weitere Funktion von Kleidung ist es zudem, kleidsam zu sein. Man kann das bei vielen bunten Funktionsjacken anzweifeln, aber das ist so.

Leserin Beatrix H. aus Bonn fiel nun eine Werbeanzeige für "aktive Funktionskleidung" auf. Was entweder eine wirklich irre Innovation wäre oder nur ein neuer Tiefpunkt auf der nach unten offenen Nonsens-Skala.

Ich tippe auf Letzteres und rate aus persönlicher Erfahrung dringend zur Vorsicht! Alle Kleidungsstücke, die ich jemals besessen habe, verhielten sich stets passiv. Sie lagen im Schrank herum, auf dem Fußboden, vor der Waschmaschine oder im Trockner. Nie wollte auch nur eines von ihnen aktiv irgendeiner Funktion nachkommen, ständig musste ich mich kümmern. Zuverlässig hat nur die Masche funktioniert, die mich aktiv zum Kauf verleitet hat. Aber ein Trost ist auch das nicht.