Ein Sieg für die spanischen Nationalisten. Doch eine Million Menschen demonstrierten gegen die Entscheidung des Verfassungsgerichts. Der Zorn der unterlegenen Katalanen verschaffte der Unabhängigkeitsbewegung neue Anhänger. Seit dem Streit um den Begriff der Nation scheint eine Mehrheit für die Abspaltung möglich.

"Viele Katalanen fühlen sich zwar auch wirtschaftlich von Madrid ausgebeutet", sagt Antonio Sáez-Arrance, der an der Universität zu Köln unter anderem zu Nationalismus in Spanien forscht. "Vor allem jedoch fühlen sie sich politisch und kulturell von der spanischen Zentralregierung unterdrückt."

Viele Katalanen sehen die Regierung in der Tradition des Diktators Franco

Die Katalanen haben sich nie primär als "Spanier" gefühlt. Sie haben eine eigene Sprache, die mehr als 1.000 Jahre alt ist. Sie haben eigene Literatur, Musik, Kultur. Vor allem unter den Jüngeren gibt es heute viele, die sich nicht als Spanier, sondern nur als Katalanen fühlen.

Wenn bei einem Endspiel des Königspokals die spanische Nationalhymne gespielt wird, pfeifen Tausende der Anhänger des FC Barcelona dagegen an. Manche Restaurantbesitzer weigern sich, mit ihren Gästen spanisch zu sprechen. Und auf Hochzeiten kann es vorkommen, dass während der Zeremonie die spanische Flagge verbrannt wird.

Dass der Hass vieler Katalanen auf Spanien heute so groß ist, daran hat vor allem der verstorbene Diktator Francisco Franco Schuld. Unter seiner Herrschaft zwischen 1939 und 1975 ließ er alle autonomen Institutionen Kataloniens abschaffen, katalanische Bücher, Musik und Symbole verbieten. Lange stand es unter Strafe, katalanisch auf der Straße zu sprechen.

"Viele Katalanen glauben, die konservative Regierung setzt die autoritären politischen Praktiken der Franco-Zeit fort", sagt der Nationalismus-Forscher Sáez-Arance. Auch als Politiker aus Madrid nach den Anschlägen in Barcelona kritisierten, dass die Pressekonferenz auf Katalanisch gehalten wurde, weckte das bei manchen Katalanen Erinnerungen an Francos Diskriminierungen.

Die Entscheidung der Katalanen für oder gegen eine Abspaltung könnte sehr knapp ausgehen. Allerdings geben in Umfragen mehr als 65 Prozent an, gefragt werden zu wollen.

Die Strategie der Regierung könnte daher genau die falsche sein: Wenn Schulleiter ihren Job verlieren können, weil sie Wahlurnen in ihren Klassenzimmern aufstellen, wird das wohl noch mehr Katalanen auf die Seite der Nationalisten ziehen.