In der Halle im Erdgeschoss zerhacken Männer in weißen Kitteln Fleisch. Dann würzen sie es und schichten es auf meterlange Metallspieße. Im Obergeschoss sitzen Oyhan und Ertan Celik in einem Konferenzraum mit frisch verlegtem Steinboden, an der Wand großformatige Fotos von Rathaus und Speicherstadt. Die Geschichte der Unternehmerbrüder begann mit einem Imbiss in der Sternschanze. 30 Jahre später gehört die Celik Döner GmbH zu den größten Dönerspieß-Produzenten Europas.

DIE ZEIT: Oyhan und Ertan Celik, warum gibt es eigentlich keine deutschen Döner-Verkäufer?

Ertan Celik: Ich glaube, das hat etwas mit der Kultur zu tun. Es würde sich auch komisch anfühlen, wenn ein Türke Bratwurst verkaufen würde. Ein Türke oder ein Kurde hinterm Tresen macht den Döner originaler. Und es hat mit Vertrauen zu tun. Wir hatten mal deutsche Kunden, die waren aber leider nicht erfolgreich.

ZEIT: Haben Sie deutsche Mitarbeiter?

Ertan: Nein, leider nicht. Ich würde das gut finden. Deutsche Mitarbeiter in der Firma wären für den Kulturaustausch sehr wichtig, aber leider gibt es kein Interesse und keine Bewerber.

ZEIT: Warum haben Sie in den Achtzigern begonnen, Döner zu verkaufen?

Oyhan Celik: Ich hatte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, war aber an Rheuma erkrankt und konnte diesen Beruf nicht weiter ausüben. Der Döner-Imbiss war für mich nur ein Job.

Ertan: Wir dachten nicht, dass es ein interessanter Markt ist. Die Wahl war ein reiner Zufall.

ZEIT: Wie war Ihre Situation?

Ertan: Unser Vater kam 1967 als Gastarbeiter nach Deutschland. Man hörte damals viel Gutes, deswegen wollten wir auch hin. Am 10. Dezember 1980 kamen wir an, es schneite in Hamburg, ich war 12, mein Bruder 15. Mein Vater wohnte in Halstenbek in einem Ausländerheim, so nannte man das damals. Wir wohnten zu dritt in einem kleinen Zimmer. Ich weiß noch, dass wir zu Gast bei einer Freundin meines Vaters waren und Probleme hatten, mit Messer und Gabel umzugehen.

Wir kamen aus einem Dorf in Ostanatolien, dort gab es nicht mal Strom. Ich weiß noch, dass ich auf der Straße ein Paar gesehen habe, das sich geküsst hat. Das war merkwürdig, ich kannte das nicht. Wir lernten damals Deutsch von unserem Vater. Im Nachhinein haben wir gemerkt, dass er kaum Deutsch konnte (beide lachen).

ZEIT: Später fühlten Sie sich heimisch?

Ertan: Bei mir hat es Jahre gedauert. Die Ereignisse in der Türkei haben mich noch lange beschäftigt. Wir hatten in unserem Dorf erlebt, wie unser Bruder festgenommen wurde, weil er eine Kassette mit kurdischer Musik gehört hatte. Das war damals nicht erlaubt. Ich kann bis heute nicht vergessen, wie die Sicherheitskräfte seine Wohnung verwüsteten. Er war sechs Monate im Knast und durfte seinen Beruf als Lehrer nicht mehr ausüben. Kurz darauf kamen wir nach Deutschland. Ich besuchte die sogenannte Ausländerklasse – allein der Name. Das hieß ja: Ihr gehört einfach nicht hierher. Alles war neu, sogar unser Vater war uns fremd. Er war streng, für ihn war es schwierig, nach all den Jahren allein plötzlich mit zwei Jugendlichen zu leben.

ZEIT: Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ertan: Als Zeitungsausträger, dann in einer Baumschule. Für vier Mark die Stunde Unkraut jäten.

Oyhan: Viel Geld für uns. Das hat unser Vater kassiert.