Die besten Cartoons über katholische Bischöfe kommen derzeit aus Deutschland, und wahrscheinlich liegt das nicht nur an ihrem Schöpfer, dem Cartoonisten Gerhard Mester, sondern an den deutschen Bischöfen. Viele von ihnen werden an der eigenen Kirchenbasis als Blockadebischöfe beschimpft, und tatsächlich tun sie sich unter dem Reformpapst Franziskus gern als Reformverweigerer hervor. Immer haben sie Bedenken, dass sich etwas ändern könnte, niemals Ideen, wie etwas zu ändern wäre: Eucharistie, Ökumene, homosexuelle Paare, you name it. Darin lassen sie sich auch vom Ortschef, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx, der im römischen Kardinalsrat die Kurienreform vorantreibt, nur ungern beirren.

Sie sind wie die Cartoonbischöfe bei Mester: Alle sitzen sie im Ruder-Achter, jeder mit einem Megafon bewehrt, um die Richtung vorzugeben. Doch da naht, oh Schreck, auf dem Bootssteg ihr agiler argentinischer Papst mit lauter Rudern unterm Arm. Soll heißen: Gebt nicht Kommandos, sondern bewegt euch! Bringt das wacklige Boot der Kirche selber voran! Mester ist Fan von Franziskus, der im Cartoon gern mal einem Kurienbischof den Kopf wäscht statt der Füße. Dafür liebt das Kirchenvolk Mester. Aber auch wer mehr klerikal gestimmt ist und über päpstliche Kopfwaschungen für die Kurie nicht lachen kann, muss zugeben: Die Bremsermentalität deutscher Eminenzen ist kurios.

Kölns Kardinal Rainer Maria Woelki zum Beispiel zog jetzt eine kritische Bilanz der Ökumene im Reformationsjahr 2017. Sein Monitum für das Fachblatt Herder-Korrespondenz, das zuvor in der Süddeutschen erschien, lautet: "Trotz beiderseitigen Bemühens, sich in die Perspektive des Gesprächspartners hineinzuversetzen", und "bei aller Freude über die gegenseitige Wertschätzung" gebe es "einen zunehmenden Dissens in moral- und sozialethischen Fragen". Das mag auf Bischofsebene stimmen. Lustig ist nur: Woelki fiel noch mit keiner wegweisenden Idee zur Ökumene auf, während Kardinal Marx mit dem evangelischen Amtsbruder Heinrich Bedford-Strohm durch die Lande tourte und Versöhnung zelebrierte. Erst bremsen, dann Stillstand beklagen. Wobei Woelki das Trennende zwischen den Kirchen nicht wirklich beklagt, nur höflich nach Klage zu klingen versucht.

Und was glauben katholische Ökumene-Experten? Die Dogmatikerin Johanna Rahner, die in Tübingen den legendären Reformlehrstuhl von Hans Küng innehat, sagt über gewisse Bischöfe: "Sie nehmen die Chance nicht wahr, die Franziskus im Schreiben Amoris Laetitia eröffnet hat: die Lage der Gläubigen pastoral zu verbessern, so auch in Ehen zwischen Katholiken und Protestanten. Sie wiederholen gebetsmühlenartig alte konfessionelle Vorurteile, ohne Neues lernen zu wollen. So tragen sie zur geistigen Notlage der Kirchen bei."

Doch Hilfe naht. Die Ökumenekommission der Bischofskonferenz arbeitet an einem gemeinsamen Papier mit den evangelischen Kollegen, das die Teilnahme nichtkatholischer Eheleute am katholischen Abendmahl erlauben soll. Sie tun, worum der Papst sowohl Marx als auch Bedford-Strohm schon bat, als sie ihn in Rom besuchten: endlich in die Zukunft rudern. Während trotzige Bischöfe ohne Ruder im Ruderboot hocken, zieht Franziskus (den sie in Rom jetzt wieder als Häretiker beschimpfen) mit dem Rest der noch beweglichen Christenheit an ihnen vorbei.