Toast kann jeder. Zwei Scheiben Weißbrot, irgendwas dazwischen, meist Käse und Schinken, rein in den Griller. Fertig. Eine simple Allzweckwaffe wider den Hunger ist das, nichts, worüber man sich großartig Gedanken macht. Außer im oberösterreichischen Innviertel, genauer im Nirgendwo nächst dem Dorf Gurten.

Dort saß im Frühling 2012 ein junges Ehepaar, Andrea und Wilfried Streiner, beisammen und brütete über der Frage, wie es seine Existenz retten könnte – und das ausgerechnet mit: Toasts. Die Beantwortung dieser Frage sollte in den folgenden fünf Jahren ein ganzes Dorf, eine ansehnliche Zahl an Behörden und die Polizei auf Trab halten. Sie sollte vor allem das Leben der Streiners in ein absurdes Lehrstück verwandeln. Bertolt Brecht trifft auf Eugène Ionesco. Der Inhalt: wie Erfolg jemanden ruinieren kann.

"Wir waren zu gutmütig zu allen, außer zu uns", sagt Wilfried Streiner heute und streicht seiner Frau sanft über die Schulter, während seine Blicke den schummrigen und verwaisten Gastraum ihres Imbisslokals, mit dem sie in das turbulente Abenteuer geschlittert waren, absuchen. Rustikale Holzvertäfelungen, liebevoll arrangierte Deko – gemütlich muss es hier einmal gewesen sein. "Wir haben nur versucht, das Beste aus unserer Situation zu machen", sagt Andrea Streiner und umfasst mit beiden Händen ihre Kaffeetasse. Es wirkt, als wolle sie sich daran festhalten.

Die "Situation", das war ein ehemaliger Schweinestall, der den beiden Anfang 2012 von einem Makler angeboten wurde. Seit Monaten schon waren der damals 28-jährige Bankbeamte und die gleichaltrige Friseurin auf der Suche nach einem Häuschen. Ruhig, abgelegen sollte es sein, "und eher etwas Ausgefallenes", so Wilfried.

Letzteres war die nahe dem 1.200-Seelen-Ort Gurten gelegene Immobilie tatsächlich: Einen kreisrund gemauerten Stall hatte sich da ein Bauer vor Jahrzehnten neben einem Güterweg in die Hügellandschaft gestellt. Ringsum nur Felder, Wiesen, Einschicht. Das wusste offenbar auch der Verkäufer zu schätzen, der den Bau fünf Jahre zuvor erworben und in eine Go-go-Bar verwandelt hatte – wohl der Hauptgrund, warum das Haus seinen Rufnamen bei den Gurtnern nie los wurde: der "Saustall".

Dass das 120.000 Euro teure Gebäude gar kein Wohnhaus, sondern eine Gewerbeimmobilie samt "Sonderwidmung Tourismus" war, redete der Vorbesitzer, ein Hummer-Fahrer mit – laut Eigenauskunft – Aufträgen aus der Sicherheitsbranche, klein. Die Umwidmung sei eingeleitet, alles kein Problem. "Für uns war es genau das, was wir gesucht hatten", erzählt Wilfried, ein ruhiger, sanftmütiger Typ, der mit Andrea, einer aufgeweckten, bodenständigen Innviertlerin so etwas wie das passende Gegenstück gefunden hat. Also nahm das Pärchen bei seiner Bank 140.000 Euro Kredit auf, erwarb die ehemalige Go-go-Bar – und zog ein.

Am Gemeindeamt in Gurten blieb das nicht unbemerkt. Prompt informierte der Bürgermeister die Neuankömmlinge, dass die Immobilie ausschließlich als Gastronomiebetrieb geführt werden dürfe. Dort zu wohnen sei per Gesetz untersagt, eine Umwidmung ausgeschlossen.

"Wir waren natürlich geschockt", erinnert sich Andrea an jene schicksalhaften Tage. "Aber wir hatten bereits in den Umbau investiert. Wir wollten einfach nicht mehr weg. Also beschlossen wir kurzerhand, ein Lokal zu betreiben."