Nimm mich auseinander! Zerreiß mich! Unterwirf mich, dann werde ich dich lieben! "You’re in a tough position / I put you there": Du bist der Stärkere von uns beiden, weil ich es so wollte. So klingt es, wenn Kelela ihre Liebe gesteht und ihren Geliebten um Zuwendung bittet. Kelela singt wohl die schönsten Liebeslieder, die es im Pop zur Zeit gibt – und die schmerzvollsten zugleich. Dabei singt sie nicht von Herzschmerz und Liebesleid, sie singt von der Neugier, mit der man einen anderen Menschen erkundet und sich von ihm erkunden lässt. Es geht um Nähe und Fremdheit, um Stärke und Schwäche. Davon erzählt sie mit sicherer, warmer, soulvoller Stimme. Doch die Romantik ihres Soul ist gleichsam in ein Stahlbad getaucht: Unter dem Gesang hört man metallische Beats und gefrierendes Zischen, es splittert und knirscht, als ob ein Schieferflöz birst, und noch weiter drunten schwingt ein magnetischer Bass. Gegen die Kälte dieser elektronischen Sounds wirkt die Wärme des Gesangs umso verletzlicher und fester. Aus den höchsten Höhen der Erregung kann Kelela binnen Sekunden in einen kalten Domina-Alt stürzen und hebt ihre Stimme dann ebenso lässig wieder daraus hervor. Ihre Lieder sind Prismen aus Zartheit und Brutalität. Es geht ein tiefer Riss durch die Musik von Kelela, aber aus diesem Riss leuchtet eine Schönheit hervor, wie man sie im Pop der Gegenwart sonst gerade nirgendwo findet.