Als Lenins Bolschewiki zum letzten Schlag gegen die Regierung ausholen, zieht Fjodor Schaljapin seinen Maßanzug aus dem Mahagonischrank, einen Dreiteiler aus einer der feinsten Londoner Schneidereien. Der gefeierte Opernstar soll am Abend die Hauptrolle in Verdis Don Carlos singen. Schaljapin blickt noch einmal in den Spiegel an der kobaltblauen Wand des Schlafzimmers und rückt seine Fliege zurecht. Dann wirft er einen Mantel mit Pelzbesatz über und geht. Seine Wohnung liegt in einem dreistöckigen Haus unweit des Steininsel-Prospekts in Petrograd, wie St. Petersburg seit 1914 heißt. Auf dieser Hauptstraße kämpft er sich im Schneeregen voran zum Theater. An einer Ecke hat sich eine Handvoll kräftiger Männer versammelt, jung, zornig, laut. Sie entdecken Schaljapin und mustern ihn grimmig. Sie sehen den edlen Mantel, die englischen Schuhe. Den berühmten Sänger erkennen sie nicht, ein Opernhaus haben sie nie von innen gesehen. Schaljapin bekommt es mit der Angst zu tun. Sind es Räuber, womöglich Mörder? Doch sie trachten ihm nicht nach Geld oder Leben. Sie wollen mehr: sein Land.