Auf der U-Bahn-Strecke U3 ist etwas anders als früher. Es ist lauter. Erstaunlich, denn dort sind die besten und neuesten U-Bahn-Züge der Hochbahn im Einsatz. Ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis die alten Wagen vom Typ DT3 aus dem regulären Fahrbetrieb genommen wurden; nun fährt auf der U3-Ringlinie die Baureihe DT5, letzter Schrei der U-Bahn-Technik. Aber genau das lassen einen die Züge auch hören: Nähern sie sich etwa dem Bahnhof Barmbek, quietschen sie dermaßen, dass ungeübte U-Bahn-Fahrer den Kopf herumreißen und Erstfahrer sich mit akuten Fluchtgedanken tragen. Müssen die neuen Züge immer noch so um Aufmerksamkeit buhlen, obwohl sie seit einigen Monaten im Einsatz sind? Klar: Die DT5er sind Lichtjahre weiter als die ollen Silberfische. Sie haben zwar nicht diese kleinen Mülleimer an Bord, in denen Bananenschalen, Kaugummis und gequetschte Coladosen vor sich hin gammeln. Aber die Wagen sind licht und hell, man kann von einem Zugende zum anderen gehen (notfalls: rennen). Und hey!, sie haben sogar eine Klimaanlage. In einigen der neuen DT5er kann man zudem sein Smartphone aufladen.

Bleibt dieses furchtbare Quietschen, das bei näherer Betrachtung nicht absichtlich erzeugt wird, sondern immer dann auftritt, wenn die Züge bremsen. Nicht bei allen neuen Zügen, wie eine 40-minütige private Feldstudie am Bahnhof Barmbek ergab, aber immerhin bei 80 Prozent. Woran liegt’s?

An den Bremsscheiben: Die nämlich sind im Gegensatz zu denen der Vorgängerserien aus Aluminium. Das hat Gewichtsgründe, erklärt Constanze Dinse von der Hochbahn: Wegen der vielen Viadukte und Brücken auf der Strecke darf bei den Hamburger U-Bahn-Wagen die Achslast höchstens zehn Tonnen betragen. "Die neuen technischen Ausrüstungen der neuen DT5-Züge – wie zum Beispiel die zusätzliche Klimaanlage – machen eine besondere Leichtbauweise erforderlich." Die Bremsscheiben aus Aluminium sparen bei acht Scheiben im Vergleich zu Stahl oder Guss schon mal 200 Kilogramm Gewicht.

Nur sind sie leider, statt wie versprochen extraleise, häufig extralaut. Man sei "bereits mit dem Hersteller im Gespräch, um diese Nebenwirkungen zu minimieren", sagt Dinse. Bis es so weit ist, bleibt empfindlichen Gemütern nur eins: Ohrstöpsel.