DIE ZEIT: Herr Kubalek, Sie leiten eine Grund-, Haupt- und Realschule mit 465 Schülern im hessischen Altengronau. Wissen Sie, wie viele Lehrer heute ausfallen?

Tim Kubalek: Ich könnte es Ihnen genau sagen, wenn ich an meinem Computer säße. Wir haben eine Stundenplan-Software, die präzise darüber Auskunft gibt. Sie sagt mir auch, wie viel Unterricht in welchem Fach in der Vergangenheit ausgefallen ist und welcher Lehrer in welchen Klassen Vertretungsstunden gegeben hat.

ZEIT: Organisieren Sie mit der Software, wie Stunden vertreten werden?

Kubalek: Die Informationen des Programms helfen mir dabei, die Vertretungen so sinnvoll wie möglich zu verteilen. Mir ist es wichtiger, dass der Vertretungslehrer die Klasse gut kennt, als dass er das zu vertretende Fach unterrichtet.

ZEIT: Warum?

Kubalek: Es ist häufig effektiver, mit dem eigenen Unterricht weiterzumachen, als sich spontan in den Stoff eines Kollegen einzuarbeiten. Den Fachunterricht gezielt fortzusetzen ist ein zu hohes Ziel. Das kann im Prinzip nur die Lehrkraft, die krank geworden ist. Gerade wenn es darum geht, den Unterrichtsausfall zu minimieren, muss man seine Ansprüche anpassen. Also: ein anderes Fach unterrichten, dafür aber effektiv. Oder es stehen Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, mit denen der Vertretungslehrer den aktuellen Stoff wiederholen und festigen kann. Im schlechtesten Vertretungsfall steht eine Lehrkraft vor der Klasse, die weder die Schüler kennt, noch das Fach beherrscht. Absoluter Worst Case ist natürlich der Stundenausfall, der bei uns allerdings selten vorkommt. Im letzten Jahr waren es nur zwei Prozent des Unterrichts.

ZEIT: Wie schaffen Sie das?

Kubalek: Ich bin dazu gezwungen, Lösungen zu finden. Wir sind eine Schule auf dem Land mit offenem Ganztag. Die Eltern müssen sich erstens darauf verlassen können, dass ihr Kind betreut und nicht früher nach Hause geschickt wird. Zweitens haben viele Schüler gar nicht die Möglichkeit, nach Hause zu kommen, weil die Busse in die umliegenden Ortschaften nur zu bestimmten Uhrzeiten fahren. Gerade Randstunden fallen sonst ja gerne mal aus, das kommt bei uns aber gar nicht erst infrage.