Das vollständige – angebliche – Zitat lautet: "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Ein schönes Bonmot. Doch stammt es wirklich aus dem Mund des genialen Wissenschaftlers?

Es ist schwierig, zu beweisen, dass jemand etwas nicht gesagt hat. Nun ist gerade ein Buch der falschen Zitate erschienen (Martin Rasper: "No sports" hat Churchill nie gesagt). Der Autor zitiert darin auch mehrmals aus dieser Kolumne – nun revanchiere ich mich und stütze mich auf seine Recherchen. Rasper hat unter anderem die Lektorin Alice Calaprice befragt, die Einsteins gesammelte Zitate herausgegeben hat. Sie glaubt: Es stammt eher nicht von ihm.

Und dann fand Rasper den Urheber des Zitats: den Psychiater Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie. In seinem Buch Das Ich, der Hunger und die Aggression schrieb Perls, dass eine "gierige, ungeduldige Haltung" verantwortlich sei für die "übermäßige Dummheit auf der Welt" – ein Schelm, wer das auf die aktuelle Weltlage anwendet. Ein "großer Astronom" habe gesagt: "'Zwei Dinge sind, soweit wir wissen, unendlich – das Weltall und die menschliche Dummheit.' Heute wissen wir, dass diese Aussage nicht ganz richtig ist. Einstein hat bewiesen, dass das Weltall begrenzt ist."

Man sieht, da nimmt ein Aphorismus Gestalt an! Zwar wird Einstein hier noch nicht mit dem "großen Astronomen" gleichgesetzt. Das macht Perls dann 20 Jahre später – da berichtet er von einem Nachmittag, den er mit dem Nobelpreisträger verbrachte, und legt Einstein das Zitat, wie wir es heute kennen, in den Mund. Die plausibelste Erklärung, laut Rasper: Die Geschichte müsse sich im Hirn des Psychiaters "nach und nach zurechtgerüttelt" haben.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio