Junge Wissenschaftler fordern, die Lehrstühle abzuschaffen.

Die Junge Akademie, ein Zusammenschluss von 50 Postdocs und jungen Professoren, möchte die Institution umkrempeln, der sie ihr restliches Berufsleben angehören wird. Moderner sollen die Universitäten werden und demokratischer. Diese Vision formuliert die Junge Akademie in einem neuen wissenschaftspolitischen Papier, das der ZEIT vorab vorliegt. Es sieht die Abschaffung des Lehrstuhlsystems an deutschen Hochschulen vor.

Lehrstühle, ein Relikt der Universität des Mittelalters, bedeuten: Arbeiten in der Pyramide. Oben sitzt der verbeamtete Professor, unten arbeitet sein Heer von befristet angestellten Assistenten und Doktoranden, der Mittelbau. Ein solches System neigt zu Hierarchien und Abhängigkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses, der in Deutschland oft bis Anfang 40 auf die eigene Professur wartet. Im Gegenentwurf der Jungen Akademie gibt es anstatt einiger weniger Institutskönige eine Vielzahl an Professoren und Professorinnen, die keine Hoheit mehr über einen eigenen Mitarbeiterstab haben. Sekretariats- und Managementaufgaben lägen zentral beim Institut. Solche Departments sind an britischen und US-amerikanischen Unis üblich; 2014 wurden sie hierzulande bereits vom Wissenschaftsrat empfohlen.

Wie stellt sich die Junge Akademie den Umbau vor? Die Anzahl der Professuren würde durch eine allmähliche Umwidmung der Grundfinanzierung erhöht. In einer Übergangsphase müssten die Unis die Gelder auslaufender Mittelbaustellen bündeln und damit Professuren finanzieren. Das würde eine intensivere Betreuung in der Lehre ermöglichen, weil die Studierenden näher an den Professoren wären und seltener von kurzzeitig befristeten Mitarbeitern unterrichtet würden. Und es erlaubte den Rektoraten eine dynamischere Personalpolitik, weil sie junge oder ausländische Forscher direkt für spezifische Arbeitsschwerpunkte einwerben könnten, statt sie in aufgeblähte Lehrstuhlstrukturen zu integrieren.

Der Mittelbau würde so nach und nach abgeschafft. Ob es klappt mit der Professur, würde sich deutlich früher entscheiden. Für die Bestenauslese würde der Tenure-Track sorgen – ein Karriereweg, der schon nach der Promotion ansetzt und durch frühe Evaluation aussortiert oder befördert. Ändern würde sich auch die Stellung der Doktoranden: Im hiesigen Vorschlag würden sie nicht mehr aus Grundmitteln, sondern überwiegend aus Drittmitteln bezahlt.

Das streitbare Papier kommt zum rechten Zeitpunkt. Der laufende Exzellenzwettbewerb könnte ein Profilierungsfeld für jene Unis sein, die die Einführung von Departments zum Wettbewerbsvorteil erklären. In einem Punkt vertut sich die Junge Akademie: "Kostenneutral", wie sie schreibt, ist ein Systemumbau nicht zu haben. Er kostet Geld und politischen Willen, um die rechtlichen, räumlichen und kulturellen Bedingungen für Department-Strukturen zu schaffen.