Als Junge soll er tagelang auf einer Wiese gelegen und in den Himmel geschaut haben, fasziniert von Wolken, Wind und Wetterleuchten. Und schon in diesen frühen Lebensjahren hat er auch jenes Werkzeug für sich entdeckt, das ihm später unentbehrlich werden sollte: das Skizzenbuch. Wo immer er auch stand, saß oder lag, hielt er alle Eindrücke und neuen Erfahrungen mit dem Stift fest; erst im Atelier entstanden aus den Skizzen die Bilder, die ihn berühmt machen sollten. Vor allem auf seinen Reisen, die er für damalige Verhältnisse ungewöhnlich oft und gern unternahm, kamen die praktischen Helfer aus Papier zum Einsatz.

Eine Reise durch Italien geriet denn auch zum Schlüsselerlebnis. Das Licht des Südens beglückte und überwältigte ihn derart, dass es von nun an in den Malprozess mit einfloss. Ursprünglich hatte der Vater, ein Friseurmeister, für den Sohn nur eine Lehre als Architekturzeichner vorgesehen und erkannte dabei dessen enormes Talent. Als Stipendiat erlernte der Junior dann das Handwerk des Malens so schnell und gut, dass sich seine Bilder bald wie von allein verkauften. Dabei muss er im Umgang – auch mit Frauen – egozentrisch und regelrecht plump gewesen sein. Nicht wenige der Bilder zeigten indes eine andere Seite, zarte Seele unter rauer Haut.

Heute gilt er vor allem dank der späten Werke als Wegbereiter der Moderne. Seine Zeitgenossen mochten ihm da freilich nicht ganz folgen; sie hielten die zunehmende Loslösung vom Figürlichen für altersbedingte Sehschwäche. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 41:

Friedrich Wilhelm Plumpe (1888 bis 1931) änderte seinen Nachnamen in "Murnau", als Anspielung auf den Blauen Reiter. Er drehte u. a. die Filme "Nosferatu", "Der letzte Mann" und "Faust". Sein Hollywood-Film "Sunrise" gewann 1929 drei Oscars. Er starb bei einem Verkehrsunfall auf der Fahrt zur Premiere seines Films "Tabu"