Viel trinken ist wichtig. Eineinhalb Liter pro Tag. Sonst trocknet Ihr Gehirn aus, und Sie landen womöglich im Online-Shop von Tchibo, wo Sie es dann für eine kluge Idee halten, eine "intelligente Trinkflasche" zu kaufen. Für sagenhafte 19,99 Euro misst die Flasche die Flüssigkeitsmenge, die ihr Nutzer über einen Plastikstrohhalm herausnuckelt, und zeigt sie auf einem Display an.

Schon erstaunlich, was heutzutage alles als intelligent durchgeht. Aber warum nicht? Lange hat man Tieren ja auch nicht zugestanden, intelligent zu sein, bis man merkte, dass Affen bessere Anlageentscheidungen treffen als manche Fondsmanager. Und wenn man jetzt liest, was sich Produkterfinder so ausdenken, wird man kaum abstreiten können, dass selbst Plastikflaschen dem Menschen intellektuell überlegen sein können.

Kleiner Kritikpunkt: Das Ding misst nicht wirklich die getrunkene Flüssigkeitsmenge, sondern lediglich die, die den Becher nach dem Befüllen wieder verlässt. Außerdem erkennt es den Inhalt nicht. Sie könnten also täglich dreimal 0,5 Liter Wasser heraussaugen und in den Topf Ihrer Yuccapalme spucken (unwahrscheinlich) oder (schon eher) die gleiche Menge Wodka in sich hineinkippen. Dem Display zufolge hätten Sie jeweils genug getrunken. So viel zum Thema Intelligenz.

Das Ergebnis ist in beiden Fällen identisch: Früher oder später wird Ihre Hirnleistung zusammenschrumpeln, sodass Sie wirklich alles glauben (falls Sie das nicht vorher schon getan und diese Trinkflasche gekauft haben). Dann bestellen Sie vielleicht noch den neuen Audi A8, der, na klar, ebenfalls mit "künstlicher Intelligenz" ausgestattet ist. Diese aktiviert bei Nebel die Schlussleuchten und begrüßt den Fahrer beim Öffnen der Tür "mit einer Lichtinszenierung". Es entspricht dem Zeitgeist, dass alles mit Display und bunten Lampen intelligent sein muss. Sonst findet sich womöglich kein Dummer mehr, der’s glaubt.