Das große Thema dieser Buchmesse waren rechte Verlage. Es fing am Messemittwoch an mit einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung über das Ehepaar Caroline Sommerfeld und Helmut Lethen. Letzterer ist ein glänzender Kulturwissenschaftler und wurde berühmt mit seinem Buch Verhaltenslehren der Kälte von 1994, das einen bestimmten intellektuellen Habitus der Zwischenkriegszeit herausarbeitete – von Bert Brecht bis Ernst Jünger. Auch später waren es immer wieder Texte der konservativen Revolution, die Lethens kulturgeschichtliches Interesse weckten.

Nun erfuhr man aus der SZ, dass sich Lethens 36 Jahre jüngere Frau Caroline Sommerfeld der Identitären Bewegung angeschlossen habe. Seither ist der Segen im Hause Lethen/Sommerfeld enormen paarpsychologischen Herausforderungen ausgesetzt.

Von der Polarisierung der Gesellschaft war zuletzt viel die Rede, aber bisher schien es so, als lebe die jeweils andere Seite auf einem anderen Planeten. Vor Wesen von anderen Planeten kann man sich gut gruseln, ohne Genaueres über sie zu wissen. Das sieht innerhalb einer Ehe anders aus. Insofern hat der politische Zwist im Hause Lethen/Sommerfeld paradigmatischen Charakter. Wie geht man mit weltanschaulichen Positionen um, die man rundheraus ablehnt, weil man sie sowohl für dumm als auch für böse hält? Sind die Träger dieser Positionen Wesen von einem anderen Planeten, kann man sie für dumm und böse erklären. Handelt es sich dabei um den eigenen Ehepartner, ist das viel schwieriger.

Caroline Sommerfeld selbst hat in ihrem Blog auf der Website der Zeitschrift Sezession dieses geistige Ringen innerhalb ihrer Ehe öffentlich gemacht: "Da stehen sich zwei unvereinbare Wahrnehmungen der Wirklichkeit gegenüber, wir spielen täglich 'Ich-sehe-was-das-du-nicht-siehst'. Wo ich Krise sehe, sieht er Bereicherung, wo ich phänotypische Unterschiede sehe, sieht er Gleichheit, wo ich geschichtliche Umbrüche sehe, sieht er Individuen, wo ich Agon sehe, sieht er Konsens. (...) Jeder sieht den anderen als 'Mainstream', jeder sieht den anderen in einer 'Echokammer'." Das Ganze funktioniere nur, "weil wir eine bald zwanzigjährige Ehe mit all ihren verschiedenen Ebenen des Halts, der Rückversicherung, des Vertrauens, der Erfahrungen im Hintergrund haben".

Die Textaffinität der Rechten erinnert stark an die Theoriegläubigkeit der 68er

Nun hat Caroline Sommerfeld zusammen mit Martin Lichtmesz ein Buch geschrieben, das in Götz Kubitscheks Antaios Verlag (Sitz: Schnellroda – was längst eine Chiffre geworden ist) erschienen ist und den Titel trägt: Mit Linken leben. Dazu erst mal dies: Wer meint, dass die Rechte per se unintellektuell sei, wird es für einen Fehler halten, Bücher aus dem Antaios Verlag in einer Zeitung zu diskutieren. Allerdings hat die Strategie "Man darf den Rechten keine Bühne geben" diesen offensichtlich mehr geholfen als geschadet. Es hat sie, wie alles Geheimnisumwitterte, interessant gemacht.

Ohnehin zeugt es von einem sehr rustikalen Verständnis von Denken, wenn man davon ausgeht, Denken und Nichtdenken pauschal-präventiv in Schubladen stecken zu können. Ein bewährter Rat könnte lauten: Lesen schadet nie. Deshalb bleibt festzuhalten: Das, was die Öffentlichkeit seit einiger Zeit umtreibt, sind nicht rechte Schläger und Volksverhetzer (die gibt es auch, aber dafür ist nicht das Feuilleton zuständig), sondern es ist ein rechter Diskurs, der sich in Büchern und Zeitschriften ausdrückt, der mithin eine starke Textaffinität hat, die einen an die Theoriegläubigkeit der 68er erinnert. Was Thomas Wagner kürzlich in Die Angstmacher – 1968 und die Neuen Rechten eindrucksvoll ausgebreitet hat.

Es lohnt also, sich diese Bücher anzuschauen, die da von einem fernen Planeten kommen, der seinerseits auf uns als einen fernen Planeten blickt – und uns sehr genau beobachtet hat und der uns kennt in bestimmten Reflexen und Denkbequemlichkeiten. Das Buch Mit Linken leben hat viele blinde Flecken, es hat aber auch einen scharfen Blick für die blinden Flecken der linksliberalen Öffentlichkeit. Dass Sommerfeld und Lichtmesz allerdings allen, die ihre Positionen zurückweisen und bekämpfen, das Etikett "links" anhängen, ist der Punkt, an dem sie es sich am entschiedensten zu einfach machen.