Es war eine klare Warnung an den US-amerikanischen Gastgeber: Eine Abkehr vom freien Handel bedrohe den gemeinsamen Wohlstand, sagte Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble am Wochenende in einer Rede beim Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Nur Stunden zuvor hatte Donald Trump einmal mehr gegen das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta gewettert. Doch nicht nur beim US-Präsidenten dürften Schäubles Worte wenig Gehör finden. Während die ausländischen Handelspartner der USA zunehmend lauter den Kurs der US-Regierung kritisieren, bleibt es auch auf der Seite der amerikanischen Unternehmen überraschend still.

Zwar mahnte der Chef der US-Handelskammer nach Trumps Ankündigung, das Freihandelsabkommen zumindest auf fünf Jahre zu befristen, Nafta sei unverzichtbar für die amerikanische Wirtschaft. Doch die Chefs der internationalen Großkonzerne protestierten bislang nicht öffentlich gegen Trumps Protektionismus. Das wirkt überraschend angesichts einer Politik, die der Globalisierung ihre Grundlage zu entziehen droht. Doch es könnte daran liegen, dass sich Amerikas Firmenchefs schon länger auf ihr Ende eingestellt haben. Mit seinen Twitter-Tiraden mag Trump dem Trend zwar eine populistische Stimme verleihen. Angefangen hat die Abkehr von der Globalisierung jedoch schon lange, bevor er in den Wahlkampf einstieg.

So verlagerte bereits vor vier Jahren der Baumaschinenhersteller Caterpillar die Fertigung von Mini-Bulldozern und kleinen Baggern aus Japan in den US-Bundesstaat Georgia, wo auch NCR, Marktführer im Bereich Geldautomaten, ein neues Werk gebaut hatte. US-Arbeiter montieren dort nun Maschinen, die zuvor in Ungarn, China und Brasilien hergestellt worden waren.

General Electric (GE) hatte schon 2012 die Produktion von Heißwasserthermen aus China nach Kentucky zurückgeholt. Der größte US-Mischkonzern gilt dabei doch als Paradebeispiel für die Globalisierung. Über Jahrzehnte hat das Unternehmen Zehntausende Jobs ins Ausland verlagert. Anfang des vergangenen Jahres sprach Jeffrey Immelt, der bis vor Kurzem noch Konzernchef war, von einer "kühnen Wende" vom Globalen ins Lokale.

Für noch größere Schlagzeilen sorgte diesen Sommer die Ankündigung von Foxconn, dem weltgrößten Elektroniksubunternehmer, sich im US-Bundesstaat Wisconsin niederzulassen. Foxconn ist zwar ein taiwanesisches Unternehmen. Doch es arbeitet überwiegend für in anderen Staaten beheimatete Konzerne wie Apple, Nintendo und Microsoft, die ihre Produkte von Focxonn herstellen lassen. Nun will das Unternehmen im Mittleren Westen bis zu zehn Milliarden Dollar investieren und 13.000 Arbeitsplätze schaffen.

Das ist eine überraschende Entwicklung, schließlich waren es ja gerade große US-Konzerne mit ihren weltumspannenden Lieferketten und Vertriebsnetzen, die die Globalisierung vorangetrieben und besonders davon profitiert hatten, stets bedacht, geopolitische Entwicklungen für sich zu nutzen.

So wuchsen zunächst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg die grenzüberschreitenden Handelsströme. Als die Berliner Mauer fiel und die Länder des damaligen Ostblocks sich öffneten, verstärkte sich diese Entwicklung wie noch einmal 1992 mit dem Vertrag von Maastricht, der den europäischen Binnenmarkt schuf, und schließlich 2001 mit der Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation.