Der Kongo ist das größte Land Afrikas und verfügt über sagenhafte Bodenschätze. Trotzdem leben die meisten seiner Einwohner in Armut. Woran kann das liegen?

Dazu eine kleine Anekdote: Im Jahr 2009 wollte das kanadische Bergbauunternehmen First Quantum dem Staat der Demokratischen Republik Kongo die fälligen Steuern für den Kupferabbau zahlen. 60 Millionen Dollar, Geld, das ein Land, dessen Einwohner durchschnittlich weniger als 500 Dollar pro Jahr verdienen, sicher für vieles hätte gebrauchen können. Die kongolesische Steuerbehörde aber teilte dem Unternehmen mit, es solle dem Behördenchef vier Millionen zahlen, der Regierung sechs Millionen und den Rest behalten. Als sich das Unternehmen auf den Deal nicht einlassen wollte, warfen ihm die Behörden "Fehlverhalten" vor. Die Mine wurde beschlagnahmt und an den israelischen Bergbautycoon Dan Gertler verkauft. Er ist ein enger Vertrauter der Regierungselite und trägt den klingenden Spitznamen "Mr Grab".

Die Geschichte kommt Ihnen bekannt vor? Sie haben so was schon einmal gehört, nur vielleicht mit anderen Namen, eventuell sogar in einem anderen afrikanischen Land? Kein Wunder. Der große Raubzug findet in vielen afrikanischen Ländern statt, und wenn die Diebe erfolgreich sind, dann, weil sie ganz oben sitzen, weil sie auf Sicherheitskräfte, Verwaltung, ja, den ganzen Staatsapparat zugreifen können. In den Panama Papers, die im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gelangten und Einblicke in weltweit organisierte Geschäfte um Geldwäsche, Steuerhinterziehung und -vermeidung gewährten, finden sich zahlreiche Namen von Personen, die sich im Dunstkreis afrikanischer Politiker bewegen – "Mr Grab" Dan Gertler taucht allein 200-mal auf. Genauso übrigens wie Jaynet Kabila, Zwillingsschwester des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila.

Das hat ein Kollektiv afrikanischer Investigativjournalisten nun dazu veranlasst, die zweifelhafte Rolle zu untersuchen, die Politiker im Wirtschaftsleben von sieben afrikanischen Länder spielen. Die Studie African Oligarchs des African Investigative Publishing Collective, des kenianischen Verlags Africa Uncensored und des ZAM Magazines erzählt Geschichten von Raub, Ausbeutung, krummen Geschäften und Gewalt.

Neben der Anekdote um das Bergbauunternehmen aus dem Kongo wird da etwa der Fall des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma erzählt, der gemeinsam mit seinen Buddys, den indischstämmigen Gupta-Brüdern, ein wahres Geldwäsche-Imperium errichtet hat. Schlüsselpositionen besetzte Zuma mit alten Bekannten, der Steuerbehörde steht beispielsweise der frühere Babysitter seiner Kinder vor. Alle Teile des weit verzweigten Patronagenetzwerkes arbeiten auf ein Ziel hin: making baba happy. Zuma, den Landesvater, glücklich zu machen.

Oder der Fall Botswana, wo die Einkünfte aus der Luxustourismus-Industrie – Oprah Winfrey und Prinz Harry machten hier schon Urlaub – gar nicht erst in die Staatskasse gelangen, sondern direkt in Steueroasen wandern. Und zwar zu Händen einer Firma, an der der Präsident und seine Freunde beteiligt sind.

Auf mehr als 30 Seiten entsteht ein Sittenbild korrupter Eliten, die sich geschmeidig des internationalen Finanzsystems zu bedienen wissen, um abenteuerliche Summen Schwarzgeld verschwinden zu lassen. Der frühere südafrikanische Finanzminister Pravin Gordhan schätzt, dass Zuma und seine Buddys sieben Milliarden US-Dollar außer Landes geschafft haben.