Meisterwerke können zentrale Ideen auf engstem Raum zusammenfassen.

Lehrer: "Du musst was Musisches machen."

Schüler: "Nee, ich bin aber Christ."

Eine Szene aus Fack ju Göhte 3. So ein krachender, quietschender, greller Filmquatsch, ein Film, der nach Red Bull schmeckt und nach Dieter Bohlen klingt, das ist ein Meisterwerk? Nun, wie soll man das sonst nennen, wenn eine Kinoerzählung alle wichtigen bildungspolitischen Themen aufrollt und konterkariert und dabei auch noch eine Utopie anbietet?

Herrje, eine Utopie gibt’s auch noch? Wird ja immer besser. Wird es, auch wenn die sozialdemokratische Vision von Chancengleichheit qua Unterricht hier erst mal durch den Fleischwolf des Klamauks gedreht wird, dass einem die Spucke wegbleibt. Diese Spucke aber bräuchte man, weil es unbequeme Wahrheiten zu schlucken gilt.

Die Schule. Spielort ist, wie in Teil 1 und 2, die Goethe-Gesamtschule. Gesamtschule heißt: Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten lernen in einer Klasse. Das war in Teil 1 die 10 b, die nun, in Teil 3, vor dem Abitur steht.

Die Goethe-Schule ist eine Mischung aus Funsport-Areal und Ghetto-Vorhölle. Entsprechend sagt die Schulleiterin, Frau Gerster (gespielt von einer wunderbar wütenden Katja Riemann): "Hier herrscht Krieg." Eine bildungsbürgerliche Klientel wird in dieser Filmschule all das erkennen, was man Philipp, Marie oder wie sonst der Geige spielende Nachwuchs heißt, ersparen will. Die Schüler vertreiben sich die Zeit mit aufwendigen Mobbing-Aktionen – ein Junge wird, in schöner Pervertierung des Fliegenden Klassenzimmers, an eine Drohne geschnallt –, die Lehrer jammern oder üben sich ein in jenen Zynismus, mit dem man bella figura macht, sagen wir als Wahlkandidat der extremen Rechten.

Apropos: Direktorin Gerster wird mit Strafversetzung gedroht, sollte sie die Schule nicht auf Vordermann bringen, was sie folgendermaßen quittiert: "Brandenburg? Dann kriege ich ja noch einen AfD-Wahlkreis dazu!" Auch in dieser Hinsicht ist der Eingangs-Gag mit seiner Verwechslung von musisch und muslimisch einfach genial. Er rundet die extremistische Ressentimentkultur ab in Richtung Intellektuellenfeindlichkeit. Künstler, Turbanträger – alles eine Bagage, mit der ein richtiger Deutscher nichts zu tun haben sollte.