Diese Katze habe ich spätnachts auf der Straße in Istanbul einer alten Frau abgekauft, die inmitten all der Clubs und Bars auf einem Tuch ein paar Habseligkeiten zum Verkauf anbot. Es war kurz vor der Zeit der Proteste im Gezi-Park, als jede Menge Hoffnung über den Köpfen schwebte und sich alles so scheinbar harmonisch mischte: Jung und Alt, Partyvolk und Flaneure, Tanzwütige und Barhocker, Erfolgreiche und lustvolle Versager, Schlaflose und bereits Erschöpfte, die genauer hinsahen und die Zeichen erkannten, als alle anderen noch glaubten, das Rad könne sich niemals wieder zurückdrehen lassen.

Und mittendrin saß die kleine kaputte Plüschkatze mit den blauen Augen und ihrem seltsam zuversichtlichen Blick. Sie konnte schon damals nicht mehr laufen, ihre Beine sind eingeknickt, ihr Fell ist räudig, aber mit ihrem Blick hatte sie mich sofort erwischt. Mich rührt sie nun seit Jahren Tag für Tag mit ihrer unerschütterlichen Zuversicht. Woher nimmt sie sie?, frage ich mich. Zuversicht ist ein so schönes Wort und eine so schwierige Angelegenheit. Mir scheint, man braucht ein gewisses Maß an Beschädigtsein, um wahre Zuversicht entwickeln zu können. Der, dem noch nie etwas Schlimmes zugestoßen ist und der sich auch nichts Schlimmes vorstellen kann, braucht keinerlei Kraftanstrengung, um optimistisch aus der Wäsche zu gucken. Aber wenn derjenige, den das Leben schon ziemlich verbeult hat, dennoch zuversichtlich schaut wie meine türkische Katze, dann ist das einfach ziemlich tapfer.

Ich nehme mir ein Beispiel an ihr und habe inzwischen eine ganze Truppe Beschädigter um sie herum versammelt: einen alten aufgeplatzten Pinguin, eine Katzenkollegin mit kaputter Pfote, einen Schwan mit Schnabelproblemen. Sie alle ermuntern sich und mich, durchzuhalten. Egal wie alt und kaputt.