Eines ist sicher: Wolfgang Schäuble wird es nicht noch einmal machen. Schäuble ist jetzt Parlamentspräsident, und das will er auch bleiben. Ansonsten ist eigentlich gar nichts klar. Wolfgang Kubicki könnte sich, wie er selbst sagt, durchaus vorstellen, in einer Koalition aus Union, FDP und den Grünen Bundesfinanzminister zu werden. Christian Lindner kann sich das ebenfalls vorstellen, Angela Merkel eher nicht, und die Grünen wissen noch nicht so richtig, was sie wollen sollen. Dass das Finanzministerium so populär ist, liegt vor allem daran, dass es enorm an Einfluss gewonnen hat. Der zuständige Minister ist die erste Anlaufstelle, wenn es ums Geld geht. Darum geht es in der nationalen Politik am Ende zwar irgendwie immer, mittlerweile mischt der Finanzminister aber auch entscheidend auf europäischer Ebene mit.

Als sie das letzte Mal im Bund mitregierte, verzichtete die FDP auf das Amt – mit der Folge, dass sie nicht wie versprochen die Steuern senken konnte. In Lindners Analyse ist das der wichtigste Grund für das Scheitern der Liberalen bei der Bundestagswahl 2013. Also hat er schon mal gefordert, dass das Haus in der Berliner Wilhelmstraße nicht wieder an die CDU gehen dürfe. Daraus lässt sich fast zwangsläufig schließen, dass es an die FDP gehen müsse, weil weder CSU noch Grüne über geeignete Kandidaten verfügen.

Die FDP dagegen hat einige Kandidaten – neben Kubicki etwa Werner Hoyer, den Chef der in Luxemburg ansässigen Europäischen Investitionsbank. Das Problem: Hoyer ist zwar ein international anerkannter Finanzfachmann, aber kein politisches Schwergewicht in der Partei. Bei Kubicki verhält es sich ungefähr andersherum.

Also müsste es wohl Lindner selbst machen. Dagegen spricht allerdings, dass das Amt politische Karrieren befördern wie auch ruinieren kann. Es ist zwar viel Geld da, doch nicht genug, um die Steuerversprechungen der Liberalen zu finanzieren (siehe auch Wirtschaft, Seite 25). Zudem stehen komplizierte Finanzverhandlungen mit den Partnerländern in Europa an, und die interessieren sich im Zweifel nicht besonders für das Parteiprogramm der FDP.

Deshalb könnte das Ministerium am Ende doch wieder bei der CDU landen. Ein möglicher Kandidat wäre dann, neben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Innenminister Thomas de Maizière, Peter Altmaier. Er führt das Amt im Moment kommissarisch. Obwohl er selbst dem progressiven Flügel seiner Partei angehört, genießt er auch bei Konservativen Respekt. Während der Euro-Krise hielt er die Dissidenten aus der Unionsfraktion bei Laune und warb auf Englisch, Französisch und Niederländisch bei den europäischen Nachbarländern für die Politik der Bundesregierung.

Altmaier selbst sagt, es sei nicht die Zeit, über Posten zu sprechen. Doch für den ehemaligen Brüsseler Kommissionsbeamten wäre es sicher von Reiz, dabei zu sein, wenn über die Zukunft Europas verhandelt wird.