Der Zimmervermittler Medici Living hat mich abgezockt. Dann kam ich ihm auf die Schliche.

Nach der Ankunft in der neuen Stadt brauche ich nur wenige Minuten vom Hamburger Hauptbahnhof in mein neues Zuhause. Es liegt hinter einer grauen, verwitterten Fassade im vierten Stock. Zwischen einer Waschküche und einer Bar mit dreckigen, verdunkelten Fenstern und blinkenden LEDs führt ein vergittertes Tor zu dem Gebäude. Der Geruch nach Zigaretten und Alkopops mischt sich mit dem warmen Waschmitteldampf, der aus dem Kellergeschoss steigt. Ich hieve meinen Koffer ins Treppenhaus, erwartungsvoll.

Noch ahne ich nicht, dass ich betrogen wurde.

Ich halte die Zimmervermittlung Medici Living da noch für teuer, aber seriös.

Für Medici Living war ich ein leichtes Opfer, denn ich war verzweifelt.

Von der Website weiß ich, dass die Wohnung drei Zimmer hat. Zusätzlich zwei Badezimmer und eine Gemeinschaftsküche. Hell und freundlich sahen die Räume im Internet aus. Und alles ist möbliert. "Unsere Wohnungen erfüllen alle Bedürfnisse des täglichen Bedarfs", frohlockt das Unternehmen. Freudig erklimme ich die letzten abgetretenen Stufen. Drei Monate lang werde ich in Hamburg wohnen. Wie meine Mitbewohner heißen, was sie machen oder ob zurzeit überhaupt noch jemand in der Wohnung wohnt, weiß ich nicht. Alle Zimmer sind verriegelt, in der Küche türmt sich schmutziges Geschirr, es ist stickig und düster. Meine Zimmertür schwingt auf, es riecht nach alten Socken. Das Einzelbett ist mit einer Staubschicht überzogen, das Zimmer dürfte schon einige Zeit nicht mehr gereinigt worden sein. Zum ersten Mal wurde ich schon am Tag zuvor stutzig. Da wurde ich aufgefordert, 149 Euro Reinigungsgebühr schnellstmöglich zu überweisen.

Für Medici Living war ich ein leichtes Opfer, denn ich war verzweifelt. Nach zehn Wochen hatte ich die Suche nach einem Zimmer in Hamburg satt. Es fühlte sich ein bisschen an wie bei der Partnersuche: Mit der Zeit steigt der Frust darüber, allein zu sein, die Ansprüche sinken. Mit jeder Absage schwindet das Selbstwertgefühl, am Ende wirft man alle guten Vorsätze über Bord. Bei der Suche nach dem passenden Mann oder der passenden Frau meldet man sich in diesem Stadium auf Tinder an. Ich war beim Tinder des Wohnungsmarkts gelandet: bei der WG-Zimmer-Vermittlung von Medici Living.

Die Medici Living Group gibt es seit 2012. Über 1.200 Wohneinheiten stehen mittlerweile zur Auswahl, die meisten in Deutschlands teuersten Universitätsstädten. Der Großteil der angebotenen Zimmer wird von Privatpersonen angemietet. Die Zimmer seien ausgestattet wie eine Ferienwohnung, angepriesen werden sie im Netz. Medici Living wirbt mit einer Auslastung von angeblich 96 Prozent. Verlockend für die Wohnungssuchenden ist die Garantie, schnell fündig zu werden und keine nervigen Auswahlgespräche zu führen. Auch die Schufa-Auskunft wird nicht eingeholt. Strom, Wasser, Heizung und Internet sind im Mietpreis bereits enthalten. Der hat es allerdings auch in sich: 619 Euro pro Monat soll ich für mein 17 Quadratmeter großes Zimmer zahlen. Im ersten Monat kommen Reinigungsgebühr, eine Vermittlungspauschale und 750 Euro Kaution hinzu. Meine erste Überweisung beträgt 1.672 Euro.