Der Sonderpreis in der Kategorie "Zu viel des Guten" wird für Innovationen verliehen, die zwar ehrenvoll sind, aber kleinlich. Ich respektiere es ja, wenn jemand auf Prinzipien beharrt. Aber irgendwann ist es auch mal gut. Gesunder Pragmatismus bringt einen im Leben oft weiter. Und wenn man einige Dinge konsequent weiterdenkt – ich meine jetzt extrem konsequent –, dann zeigt sich das auch.

Wie kam ich drauf? Ach ja, weil Uwe A. aus Kiel mich darauf hinwies, dass es nun das erste vegane Mineralwasser gibt: Wittenseer aus Schleswig-Holstein. Grün leuchtet der Hinweis "vegan" vom Etikett. Ehrlich gesagt war ich schon seit Langem gespannt darauf, ob es das Label vegan noch vor laktose- oder glutenfrei auf eine Mineralwasserflasche schaffen wird. Jetzt ist die Sache entschieden. Auf der Internetseite des Brunnens konnte ich nachlesen, warum. Es ging gar nicht um das Wasser. Sondern um den Klebstoff, der das Etikett auf der Flasche hält. Der enthalte kein Kasein. Das ist ein Milchprotein, das tatsächlich oft für Etikettenkleber verwendet wird. Deswegen: veganes Wasser.

Möglicherweise gibt es effektivere Ansätze, um Tiere zu schützen. Aber okay. Kann man machen. Die Frage ist: Was macht man dann? Irgendwie muss das Etikett ja auf die Flasche. Denken wir die Sache zu Ende. Konsequent.

Dann bliebe Stärkekleber. Gewonnen aus Mais oder Kartoffeln. Die auf Feldern angebaut werden, die Tieren dann nicht mehr als Lebensraum dienen. Oder mit Insektengift besprüht werden. Nicht gut. Weitere Alternative: synthetischer Klebstoff auf Erdölbasis. Vor Jahrmillionen entstanden. Und keiner weiß heute, ob damals nicht ein Dinosaurier oder ein Säbelzahntiger in die Teergrube geplumpst ist. Nur mal so.

Bitte nicht schimpfen wegen dieser weit hergeholten Ideen. Ich habe nicht damit angefangen. Aber eines wüsste ich wirklich gern: Wäre Leitungswasser eine Alternative?