Vielleicht ist dies die zeitgemäße Form des Ausgehens, wenn man wohlhabend ist. Wenn man Geld hat, Einfluss und obendrein das Glück, gesund zu sein. Vielleicht sollte es eine Quote für solche Abende geben: Besitzbürger können exzellent speisen, aber eines von vier Abendessen steht im Zeichen der – Nächstenliebe? Hängen wir’s nicht so hoch. Sagen wir: Nächstenhilfe.

Grand Elysée Hotel, ein gesetztes Charity-Dinner zugunsten der Muskelschwundhilfe. Rund 200 Gäste, wenig B- oder C-Prominenz, was sehr angenehm ist, weil es an diesem Abend um die wirklich wichtigen Dinge geht. Um Cash. Um Karitas.

Dirk Rosenkranz, Vorsitzender der Muskelschwund-Hilfe, und Ehefrau Jessica © Foto: Daniel Feistenauer für DIE ZEIT

"Seltene Krankheiten sind nicht so attraktiv", sagt Dirk Rosenkranz, der Vorsitzende der deutschen Muskelschwund-Hilfe. Der Mann sitzt im Rollstuhl, er ist selbst betroffen. Erstaunlich, dass man sich gar nicht herabneigen muss zu ihm. Er ist, auch im Partygewühl, bestens zu verstehen. Klare, markante Stimme. Gebannt hört man zu: "Wir stehen den Betroffenen zur Seite. Wir zeigen ihnen, was trotz dieser Erkrankung möglich ist." Wie er einen anschaut, es ist eher ein Ins-Visier-Nehmen. Auf-Augenhöhe-Sein ist keine Frage der Körpergröße, das begreift man sofort.

Und so flattern Euro-Bündel in die Sektkübel, die das so umsichtige wie entschieden auftretende Servicepersonal herumreicht. Die Gäste kaufen Lose, das Stück für 20 Euro. Es gehört zum guten Ton, ordentlich zuzugreifen.

Die Tombola-Preise interessieren nur mäßig. Handsignierte Bayern-Trikots – welcher Lokalpatriot braucht so was? Nein, es geht ums dezente Angeben für die gute Sache, und das ist auch die angemessene Art, den eigenen Status zur Schau zu stellen. Etwas geben, nicht steuerlich verordnet, nicht umverteilungsmäßig erzwungen. Sondern lässig und großmütig, aus der Spendierhose heraus.

Am Tisch mit einem Marketingchef und einem Finanzberater. Gespräch über Patek Philippe, die Eleganz der Financial Times Weekend und das Privileg, Prince noch live erlebt zu haben. Die Bourgeoisie hat es gut. Und sie weiß es auch. Das zahlt sich aus. Wer in Not ist und keine große Lobby hat, kann jedes Elysée-Dinner gut gebrauchen.