Nach Jahren des Streits fiel am 29. November 1947 endlich eine Entscheidung: Die Vereinten Nationen machten den Weg frei für die Gründung Israels; 33 von damals 57 Mitgliedsländern der Generalversammlung stimmten in New York für die Teilung des britischen Mandatsgebietes Palästina in einen arabischen und einen jüdischen Staat.

Allein die Aussicht auf eine solche Staatsgründung hatte auf arabischer Seite in den Jahren zuvor erbitterte Ablehnung hervorgerufen. Zugleich war der Konflikt zwischen zionistischen Organisationen und der britischen Mandatsmacht eskaliert, die angesichts der wachsenden Spannungen eine immer restriktivere Einwanderungspolitik betrieb. Flüchtlingsschiffe wurden abgewiesen, mehrere Tausend Überlebende des Holocausts fanden sich auf ihrem Weg ins "Gelobte Land" erneut in Lagern wieder. Die Bilder ihrer Odyssee rüttelten die Weltöffentlichkeit auf – und trugen dazu bei, die Vereinten Nationen zum Handeln zu bewegen. Denn die jüdischen Flüchtlinge landeten im Herbst 1947 nicht irgendwo hinter Stacheldraht, sondern ausgerechnet in Deutschland, gerade einmal zwei Jahre nach ihrer Befreiung.

Hamburg, 8. September 1947: In den frühen Morgenstunden macht, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, das erste von drei Gefängnisschiffen, die Ocean Vigour, im Baakenhafen fest. Für den dort gelegenen Petersenkai sprach, dass er weitab von der Innenstadt liegt und über einen eigenen Gleisanschluss verfügt. Der Ocean Vigour folgen die Runnymede Park, die zu dieser Zeit gerade Brunsbüttel passiert, und die Empire Rival, die noch in Cuxhaven vor Anker liegt. An Bord der Schiffe befinden sich insgesamt 4.350 Überlebende des nationalsozialistischen Massenmordes, die von der britischen Mandatsmacht unter massiver Gewaltanwendung von Haifa zurück nach Europa deportiert worden sind.

Rund 300 bewaffnete britische Militärpolizisten und Soldaten sperren das Hafengebiet großräumig ab. Von den aus aller Welt angereisten 200 Reportern und Fotografen hat man nur wenige durchgelassen. Ambulanzen stehen bereit, um gegebenenfalls Verwundete zu versorgen. Um die Schreie der Verletzten und den lautstarken Protest der Flüchtlinge zu übertönen, beschallt man die Szenerie mit populärem amerikanischem Jazz, was die Betroffenen an Situationen in den Konzentrationslagern erinnert und zu Kommentaren veranlasst wie: "We have returned to Auschwitz and Bergen-Belsen." "Wir sind zurückgekehrt nach Auschwitz und Bergen-Belsen."

Da sich die meisten Flüchtlinge weigern, deutschen Boden zu betreten, werden sie von Soldaten der britischen Besatzungsmacht gewaltsam die Gangway heruntergezerrt oder -getragen. Einige Dutzend, zum Teil blutüberströmte Passagiere müssen in Hospitäler eingeliefert werden. Elf als Anführer ausgemachte Männer werden festgenommen. Die Situation droht zu eskalieren, als auf der Empire Rival eine selbst gebastelte Bombe gefunden wird.

Die Männer und Frauen an Bord haben eine monatelange Irrfahrt hinter sich. Dabei hatten sie sich im Sommer schon beinah am Ziel gewähnt. Doch dann, am 18. Juli, enterten britische Marinesoldaten vor der Küste Palästinas die Exodus, ein von jüdischen Organisationen in den USA gekauftes, kaum mehr seetüchtiges Schleuserschiff, das die Flüchtlinge von Sète in Südfrankreich nach Haifa bringen sollte. Es gab Dutzende von Verletzten und einige Tote. Die Exodus hatte 4.500 Holocaust-Überlebende an Bord, unter ihnen 57 hochschwangere Frauen.

Wenige Tage später schickte die britische Mandatsmacht die Gestrandeten bis auf rund 150 kranke und schwangere Frauen mit den genannten drei Gefängnisschiffen dorthin zurück, wo sie hergekommen waren: nach Frankreich. Am 29. Juli machten die Schiffe in Port-de-Bouc westlich von Marseille fest. Da sich sowohl die französische Regierung weigerte, die Deportierten aufzunehmen, als auch diese selbst nicht von Bord gehen wollten und in einen Hungerstreik traten, um die Rückkehr nach Palästina zu erzwingen, entschied die Regierung in London, die Menschen in die britische Besatzungszone in Deutschland, nach Hamburg, zu bringen, wo ihre Reise nach 56 Tagen endete. Als Operation Oasis ging diese Rückführung in die Geschichte ein.

Das berühmteste Bild aus diesen Tagen machte die amerikanisch-jüdische Fotografin Ruth Gruber am 22. August 1947, dem Tag des Auslaufens aus Port-de-Bouc. Die Aufnahme irritiert noch heute. Sie zeigt einige der 1.500, zumeist jungen Passagiere auf der Runnymede Park in einem Eisenkäfig, die sich freuen, den Briten einen Streich gespielt zu haben. Über ihnen hängt der Union Jack, auf den sie ein großes Hakenkreuz gemalt haben. Gruber von der New York Herald Tribune war eine der wenigen Journalistinnen und Journalisten, denen es gestattet war, die Flüchtlinge – in der damaligen Behördensprache Displaced Persons, kurz D. P., genannt – an Bord aufzusuchen. Ihr Foto erschien als picture of the week am 8. September 1947, zeitgleich mit der Ankunft des Schiffes in Hamburg, im berühmten US-Magazin Life. Es heizte den weltweiten Protest weiter an. In New York, aber auch in jüdischen D.-P.-Lagern in Deutschland machte die polemische Formel "England gleich Nazi-Deutschland" die Runde.