Ein Mitbringsel aus Japan © Doris Dörrie

Den Film Kirschblüten – Hanami haben wir zum Teil am Fuß des Fuji gedreht. Für die Tanzsequenz mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner mussten wir um vier Uhr früh aufstehen. Es war eiskalt, Raureif lag auf den Bäumen, die Pfützen waren gefroren. Wir klapperten mit den Zähnen, doch zu unserer Erleichterung klappte die Szene auf Anhieb.

Als wir danach erschöpft, aber glücklich in einem Restaurant aßen, entdeckte ich nebenan einen 100-Yen-Shop, also so etwas wie einen 1-Euro-Laden, in dem ich verschwand und lange Zeit später nur an den Haaren wieder herausgezogen werden konnte. Eine Wunderwelt tat sich vor mir auf, Berge von alten Kimonos, Haushaltsgeräte, Nippes. Der ganz normale Ramsch, der sich in allen Haushalten auftürmt. Aber hier war es japanischer Ramsch, der fremd und aufregend war. Ich bedauerte, dass ich keinen Container mit mir führte, um all diese Dinge einzusammeln. Also schaffte es am Ende nur dieser Teller, der es mir mit seiner robusten Alltagstauglichkeit angetan hatte, mit seiner flüchtigen Zeichnung von Rettich, Kürbis und Karotte und natürlich dem Ort, an dem ich ihn gefunden hatte, direkt unter dem Fuji.

Ich schleppte ihn durch halb Japan nach Hause, und weil er so robust ist, zerbrach er nicht. Seitdem benutze ich ihn fast täglich, nur habe ich mich seltsamerweise nie gefragt, was auf ihm steht, bis es mir eine japanische Freundin vorlas: "Gut miteinander zu sein ist schön." Sie wusste auch, von wem der Satz stammt: von dem Schriftsteller Mushanokoji Saneatsu, der perfekt Deutsch gesprochen und mit den Malern von Worpswede einen Briefwechsel unterhalten hatte. 1918 gründete er in der Nähe von Tokio eine Landkommune. Deshalb das Gemüse. Mit einem Mal füllte sich mein Alltagsteller mit einer besonderen, großen Geschichte, die jedes Mal mit auf den Tisch kommt, zusammen mit den Erinnerungen an den Tag, an dem Elmar Wepper und Hannelore Elsner vorm Fuji tanzten und uns alle glücklich machten. Gut miteinander zu sein ist schön.