Eine neue Volksabstimmung kommt auf Hamburg zu: Die Initiative "Mehr Hände für Hamburger Kitas" verlangt zusätzliches Personal in der Kinderbetreuung. Die Oppositionsparteien sind dafür, die Regierung reagiert skeptisch.

DIE ZEIT: Frau Senatorin, in der Vergangenheit ist das Land vielen Volksinitiativen entgegengekommen, gerade wenn es um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen ging. Jetzt fordert eine Initiative, für die Kitas mehr Erzieher einzustellen. Warum wehren Sie sich dagegen?

Melanie Leonhard: Wir haben die Initiatorinnen eingeladen, um auszuloten, ob wir einen gemeinsamen Gesprächsweg gehen können. Die Initiative hat uns aber mitgeteilt, dass sie unabhängig vom Verlauf solcher Gespräche auf jeden Fall eine Volksabstimmung anstrebt.

ZEIT: Was wollten Sie anbieten?

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Leonhard: Wir haben überlegt, ob man den für die Krippe bereits eingeschlagenen Weg, nämlich mehr Erzieherinnen und Erzieher pro Kind zu beschäftigen, gesetzlich festschreibt.

ZEIT: Das heißt, Sie wollten sich verbindlich auf das festlegen, was Sie ohnehin versprochen haben?

Leonhard: Ja, denn das ist der Initiative wichtig. Darüber hinaus haben wir auch angeboten, darüber zu reden, ob wir beim Betreuungsschlüssel im Elementarbereich – also bei den älteren Kita-Kindern – die Arbeitszeit für die Vor- und Nachbereitung berücksichtigen. Bislang haben wir immer gesagt, dass wir das nur machen können, wenn der Bund entsprechend Zuschüsse gibt.

ZEIT: Warum können Sie der Initiative bei den Krippenkindern, also den ganz Kleinen, nicht weiter entgegenkommen?

Leonhard: Wir haben dieselben Ziele wie die Initiative. Wir wollen, dass eine Erzieherin im Durchschnitt nicht mehr als vier Krippenkinder betreut. Die Frage ist, wie schnell wir dieses Ziel erreichen können. Wir haben erhebliche Mühen, die nötigen Fachkräfte zu bekommen. Deswegen setzen wir unser ursprüngliches Zeitziel 2019 auf Wunsch und gemeinschaftlich mit den Kita-Trägern schrittweise bis 2021 um. Hier geht’s nicht ums Geld. Hier geht es schlicht um die Grenzen, die uns der Arbeitsmarkt setzt.

ZEIT: In der Öffentlichkeit war bislang von den sehr teuren Forderungen der Initiative die Rede. Können wir festhalten: Das Geld wäre da?

Leonhard: In den Krippen geht es um 100 Millionen Euro zusätzlich im Jahr. Dieses Geld haben wir eingeplant und eingeworben. Für uns ist das Thema Fachkräfte relevant. Wir gehen nun jedes Jahr einen Teilschritt und stellen Ressourcen für 500 zusätzliche Erzieher zur Verfügung.

ZEIT: Haben Sie damit bereits angefangen?

Leonhard: Wir machen das seit April 2016 im Rahmen der Sprach-Kitas. Der nächste Schritt steht im Januar 2018 an, dann wieder im Jahr 2019 und dann zum Jahreswechsel 2020/21.

ZEIT: Warum wurde das Jahr 2017 ausgelassen?

Leonhard: Da wurden die Tarife angepasst.

ZEIT: Man konnte in der öffentlichen Debatte durchaus den Eindruck gewinnen, dass es auch um Geld geht. Was wäre denn so teuer an dem, was die Initiative will?

Leonhard: Sie fordern inzwischen bei den älteren Kindern, denen im Elementarbereich, eine Erzieher-Kind-Relation von 1 : 5. Insgesamt kostet die Umsetzung aller Forderungen rund 350 Millionen Euro – zusätzlich zu dem, was wir bereits investieren. Außerdem würden wir etwa 7500 zusätzliche Vollzeiterzieher brauchen, die müsste man ausbilden und anwerben.