Sechs Männer in schwarzen Anzügen tragen einen Sarg durch die Innenstadt von Bottrop. Neben ihnen gehen Frauen, die Gesichter hinter schwarzen Schleiern versteckt. Der Sarg ist mit Infusionsbeuteln verziert, auf denen seltsame Wörter stehen: Xgeva, Topotecan, Cyclophosphamid. Es sind Krebsmedikamente, sie sollen Leben verlängern, im besten Fall sogar Leben retten. Doch an diesem Oktobertag sind sie Symbole des Todes. Mehr als 400 Menschen sind zu dem Schweigemarsch gekommen, um der Opfer eines Verbrechens zu gedenken, dessen Ausmaß niemand jemals wird beziffern können. Eines Verbrechens, das ein hässliches Licht wirft auf einen Bereich des Gesundheitssystems, in dem viele auf Heilung hoffen – und dabei, ohne es zu ahnen, einigen wenigen ausgeliefert sind, deren Machtfülle kaum kontrolliert wird.