Die Nutzer von PayPal brauchen viel Geduld – jedenfalls wenn sie wissen wollen, wie der Bezahldienst mit ihren Daten umgeht. 5985 Wörter in 273 Sätzen enthält die Datenschutzerklärung des Unternehmens; jeder zweite Satz besteht aus mindestens 20 Wörtern, der längste umfasst sogar 95 Wörter und wird von 14 Kommata zusammengehalten. Um das Dokument zu lesen, benötigt man 20 bis 30 Minuten. PayPals Datenschutzerklärung steht damit im Widerspruch zu dem, was Verbraucher wollen: Knapp fünf Minuten würden sie im Schnitt opfern, um sich zu informieren; am liebsten wäre ihnen ein einseitiges Dokument, das konkret auflistet, was mit ihren Daten passiert.

Das belegt eine Studie der Verbraucherzentralen, die der ZEIT exklusiv vorliegt. Dafür hat die Verbraucherzentrale Brandenburg die populären Online-Bezahldienste Amazon Pay, Giropay, Paydirekt, PayPal, Skrill und Sofort Überweisung unter die Lupe genommen. Außerdem wurden 2.000 Verbraucher befragt; die Ergebnisse zeigen, wie wenig manche Angebote den Wünschen der Nutzer gerecht werden.

Dabei gehören die Dienste für die meisten Menschen längst zum Alltag – ganz gleich, ob sie im Netz neue Schuhe kaufen, eine Reise buchen oder ein Abo abschließen. Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom hat ergeben, dass die Bundesbürger in solchen Fällen inzwischen häufiger mit Online-Bezahldiensten bezahlen als per Lastschrift oder Kreditkarte. Mit Abstand am populärsten ist PayPal, das nach Firmenangaben allein in Deutschland von 19 Millionen Menschen genutzt wird. Es ist ja auch komfortabel: Ein paar Klicks genügen, und das Geld ist unterwegs. Außerdem sind die Dienste günstig: Die Gebühren bei PayPal etwa bezahlt der Verkäufer der Ware, nicht der Online-Shopper.

Online-Bezahldienste und ihre Kunden

Quelle: Verbraucherzentrale Brandenburg © ZEIT-Grafik

Doch die Bezahldienste geben sich ohnehin nicht mit Geld allein zufrieden. Sie wollen Daten. Das fängt bei der Anmeldung an: Paydirekt verlangt elf, PayPal neun und Skrill acht Angaben, zum Beispiel auch eine Telefonnummer. Dagegen kommen Giropay und Sofort Überweisung ganz ohne Registrierung aus. Wie die Studie zeigt, setzen die Unternehmen auf ihren Webseiten zudem sogenannte Tracker ein, die das Verhalten der Nutzer auf ihrem Weg durch das Netz aufzeichnen.

Die Programme ermöglichen es, Nutzern Werbung und Angebote zu zeigen, die sich an ihren Vorlieben und an ihrer Zahlungsfähigkeit orientieren (siehe ZEIT Nr. 41/17). PayPal setzt laut der Studie sieben Tracker ein, darunter zwei von Google. Auf Anfrage der ZEIT erklärt das Unternehmen, die Tracker würden ausschließlich zu Marketingzwecken genutzt und beispielsweise nicht dazu, die Bonität eines Kunden zu ermitteln. Skrill hat sogar elf Tracker eingebunden, Fragen der ZEIT dazu lässt das Unternehmen unbeantwortet und erklärt lediglich allgemein, man schütze die Daten seiner Kunden. Für Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg ist klar: Der Einsatz von Trackern sei "unnötige Datensammelei".