So sehen Blasen aus: Eine Wertsteigerung um 75.000 Prozent innerhalb von fünf Jahren, allein im letzten Jahr hat sich der Kurs nahezu verzehnfacht, und gerade in den vergangenen Wochen ging es besonders steil bergauf. Die Digitalwährung Bitcoin brauchte Ende Oktober nicht einmal drei Tage, um von 6.000 auf 7.000 US-Dollar zu steigen. Alle Bitcoins zusammengenommen waren zwischenzeitlich mehr als 120 Milliarden US-Dollar wert. Zum Vergleich: Die täglich verfügbare Geldmenge Großbritanniens ist deutlich kleiner.

Jetzt geht die Angst um: Starinvestor Warren Buffett warnt vor dem Bitcoin, der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman bezeichnet die Währung gar als "böse", weil sich Werte damit nicht vernünftig aufbewahren ließen. Jamie Dimon, Chef der amerikanischen Großbank JPMorgan Chase, brandmarkte Bitcoin unlängst als "Betrug" und drohte, jeden seiner Angestellten zu entlassen, der damit handele.

Wie ist es möglich, dass eine Währung, die nur digital existiert, einen solchen Wert erreicht?

Die Idee zum Bitcoin entstand vor neun Jahren: Der Erfinder Satoshi Nakamoto – ein Pseudonym – beschrieb in einem Papier das Konzept für ein neuartiges Zahlungsmittel. Es beruht darauf, dass im Netz Daten erzeugt werden, die nicht kopiert werden können. Sie sind einmalig, fälschungssicher, aufteilbar und können schnell, einfach und kostengünstig im Netz verschickt werden: die Bitcoins. Ihre Anzahl ist begrenzt, dadurch können sie an Wert gewinnen. Statt in einer Münzpresse werden die digitalen Taler mit großem Rechenaufwand nur virtuell erzeugt. So entsteht ein Zahlungsmittel, das unabhängig ist von Staaten, Banken oder einer zentralen Institution. Weil Verschlüsselungstechnologie dabei eine wichtige Rolle spielt, spricht man auch von einer Kryptowährung.

Der Aufstieg der digitalen Münze lässt sich nur mit der ungewöhnlichen Fangemeinde des Bitcoins erklären. Sie besteht aus Idealisten, Verzweifelten und Investoren.

Zunächst waren es die Idealisten, die sich für den Bitcoin begeistern konnten: Wissenschaftler, Hacker und Tech-Aktivisten aus aller Welt. Es ist jenes Milieu, das für digitale Freiheitsrechte und Privatsphäre kämpft. Aus der Tiefe dieser Community stammen zum Beispiel auch ein Verfahren für E-Mail-Verschlüsselung oder der Internetbrowser Tor, der die Identität der Nutzer verbirgt.

Diese Community war schon da, bevor ein Bitcoin auch nur einen US-Dollar wert war, und sie wird auch da sein, falls der Preis wieder einmal auf diesen Wert fallen sollte. Denn es geht ihr nicht um Reichtum, sondern um den Freiraum des Individuums. Geld, so ihre Maxime, sollte nicht den Interessen von Staaten und Banken dienen, sondern den Menschen. Hier wird der Bitcoin als digitales Geld gesehen, das nicht durch Politik und Interessen, sondern durch Mathematik, Verschlüsselung und Algorithmen verwaltet und von unten, von den Menschen, die es nutzen, betrieben und organisiert wird. Bitcoin, ein Ergebnis real gewordener Systemkritik.