Zwei Staatsmänner überragen in diesem Herbst der Globalisierung alle anderen: Xi Jinping und Emmanuel Macron. Ausgerechnet ein Chinese und ein Franzose. Lange führten die USA und Großbritannien mit ihren Finanzplätzen in New York und London die Weltwirtschaft an, gefolgt von Tokio und Frankfurt. Die freien Märkte regierten. Doch allmählich bricht eine neue Phase der Globalisierung an. Die Zeit der schnellen Ausdehnung der Märkte ist vorbei. Google und Alibaba haben jeden Zentimeter Erde vermessen. Was jetzt zählt, ist das Management der Globalisierung. Aus der Marktwirtschaft wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die soziale Marktwirtschaft. Mit einer ähnlichen Idee treten heute Xi und Macron an: Sie verlangen eine soziale und ökologische Weltwirtschaft, also ein besseres globales Management.

Zum Beispiel sind China und Frankreich heute die aktivsten ausländischen Mächte in Afrika. Bislang nicht nur zu Afrikas Nutzen. Aber Peking und Paris haben erkannt: Der Kontinent mit seinem demografischen Aufschwung ist Chance und potenzielles Grab der Globalisierung zugleich. Nur wenn es gelingt, seine Entwicklung zu lenken, statt auf Afrikas Explosion zu warten, kann der für die Globalisierung so wichtige Frieden hergestellt werden.

Schon stehen die Namen Xi und Macron weltweit für den Klimavertrag. "Make our planet great again!": Der im Mai dieses Jahres global getwitterte Spruch stammte vom frisch gewählten französischen Präsidenten, der damit den amerikanischen Ausstieg aus dem Klimavertrag in Anlehnung an den Wahlkampfslogan Donald Trumps, Make America great again!, kommentierte. Macron stellte sich damit als erster westlicher Führer radikal gegen Trump. Xi zog nach: "Unser Land führt die internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung des Klimawandels an", sagte er auf dem Parteitag der KP Chinas im Oktober. Längst weiß jeder indische Bauer, dass die USA den Klimavertrag ablehnen und China ihn fördert. Während viele Europäer immer noch erstaunt sind, dass die grünen Deutschen die klimapolitische Führung an die Franzosen abgegeben haben.

Der Erfolg des Chinesen wie auch des Franzosen gründet aber vor allem auf dem Gegenwind, den die Globalisierung erzeugt. Donald Trump in den USA, Shinzo Abe in Japan und Narendra Modi in Indien führen stolze, für die Globalisierung unersetzliche Volkswirtschaften. Sie sind populär. Doch alle drei sind von ihrer Grundeinstellung her national gesinnt. Alle drei eint die Nähe zu rechtsnationalen Kreisen in ihrem Land. Sie taugen nicht als Führer der Globalisierung.

Es bleiben Xi und Macron. Xi ist es gerade gelungen, den amerikanischen Präsidenten auf Besuch in Peking unter seinen Scheffel zu stellen. Zumindest empfand es der Rest der Welt so. Macron scheint binnen weniger Monate im Amt die deutsche Bundeskanzlerin als tragende Stimme einer weltoffenen Europäischen Union abgelöst zu haben. Kein internationales Wirtschaftsblatt, das in den vergangenen Wochen nicht Xi und Macron auf dem Titel zeigte.

In dieser Wahrnehmung liegt ein globaler Trend. Nach Brexit und Trump-Wahl setzt die Management-Elite heute ihre Hoffnungen auf China und Frankreich. Dabei standen beide Länder der Globalisierung bislang eher fern. China diente zwar als Weltfabrik, doch schottete es weite Teile seiner Wirtschaft ab und gestaltete die Weltwirtschaft nicht aktiv mit. Frankreich verlor weltweit Marktanteile und Industriebetriebe. Seine Politiker fielen, wenn, dann als Globalisierungskritiker auf.

Die Anführer Chinas und Frankreichs nutzen nun ihre Chance. Es sieht ein bisschen so aus, als würden sie in die Fußstapfen von Ronald Reagan und Margaret Thatcher treten, eines auch eher zufällig, durch historische Umstände verkuppelten Paares. Reagan und Thatcher begründeten, ohne es zu wissen, das Zeitalter des Neoliberalismus. Xi und Macron erscheinen dagegen wie die Boten eines Neodirigismus, welcher der Globalisierung neue Legitimation verschaffen will.