DIE ZEIT: Herr Beasley, Sie haben gerade mehrere Flüchtlingslager in Afrika und im Nahen Osten besucht. Wie ist die Lage?

David Beasley: Ich war in 25 Ländern, in Somalia, in der Demokratischen Republik Kongo, aber auch im Jemen und in Syrien. Ich kann Ihnen berichten: Die Lage ist dramatisch. In den vergangenen zehn Jahren waren wir im Kampf gegen den Hunger vorangekommen, aber nun ist die Zahl der hungernden Menschen erstmals wieder gestiegen. Derzeit haben schätzungsweise 815 Millionen Menschen nicht genug zu essen, das sind elf Prozent der Weltbevölkerung.

ZEIT: Woran liegt das?

Beasley: Der Klimawandel ist ein großes Problem, Flut und Dürren nehmen den Menschen die Lebensgrundlagen. Wir haben in diesem Jahr mehr als neun Millionen Menschen unterstützt, die aus diesem Grund nicht genug zu essen haben. Das wird zunehmend auch ein Sicherheitsrisiko.

ZEIT: Inwiefern?

Beasley: Nehmen Sie Somali, eine Provinz im Osten Äthiopiens. Es gibt praktisch kein Wasser, wir versorgen dort etwa 3,3 Millionen Menschen. Extremistische Gruppen wie die Al-Shabaab-Miliz versuchen die Situation für ihre Zwecke auszunutzen. Sie bewegen sich im Schutz der Menschen, die flüchten müssen. Ich sage deshalb meinen Gesprächspartnern in den westlichen Hauptstädten: Wenn ihr euch stärker um die Nöte der hungernden Menschen kümmert, dann dient das auch eurer nationalen Sicherheit, ihr leistet einen Beitrag im Kampf gegen den Terror!

ZEIT: Sie sind Republikaner, wie reagiert man in Washington, wenn Sie das sagen?

Beasley: Ich habe es noch nie erlebt, dass die Folgen des Klimawandels bezweifelt wurden. Die Debatte ist dort eher, ob der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist oder nicht.

ZEIT: Und wie sehen Sie selbst das?

Beasley: Meine Haltung ist: Streitet ihr ruhig weiter, ich kümmere mich in der Zwischenzeit darum, dass die Menschen genug zu essen bekommen und wir nicht noch mehr Leute in die Arme der Terroristen treiben. Wir wissen doch: Wenn Eltern ihre eigenen Kinder nicht mit dem Nötigsten versorgen können, dann haben extremistische Gruppierungen ein leichtes Spiel.

ZEIT: Wie kommt das Argument an?

Beasley: Ich bin ganz zufrieden. Nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten war die Furcht groß, dass die neue Regierung weniger Geld für Nahrungsmittelhilfe ausgeben würde. Doch seine Regierung hat bislang mehr Geld für das Welternährungsprogramm zur Verfügung gestellt als alle Vorgängerregierungen.

ZEIT: Der Eindruck hier in Deutschland ist bislang eher, dass sich Trump um die Nöte der Welt nicht so sehr kümmert.

Beasley: Ich kann das für meinen Bereich nicht bestätigen. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg etwa hat der Präsident 639 Millionen Dollar für den Kampf gegen den Hunger zur Verfügung gestellt. Das Geld wird dringend benötigt, nicht nur wegen des Klimawandels. Wissen Sie, was es kostet, im Südsudan ein einfaches Mittagessen zuzubereiten, sagen wir einen Bohneneintopf?

ZEIT: Zwei oder drei Dollar?

Beasley: Es ist sehr viel mehr – gemessen am dortigen Einkommen. Wir haben uns angeschaut, welchen Anteil an ihrem Verdienst die Menschen in den armen Ländern für Lebensmittel ausgeben. Dabei ist herausgekommen, dass gerade in Bürgerkriegsländern für eine einfache Mahlzeit mehr aufgewendet werden muss als das durchschnittliche Tageseinkommen. Wenn man das zum Beispiel auf New York umrechnet, dann entspricht das einem Betrag von 321 Dollar für ein Mittagessen.