Elbvertiefung – ist diese Frage nicht längst entschieden? Nein, ist sie nicht. Am Donnerstag tritt in Leipzig wieder das Bundesverwaltungsgericht zusammen, diesmal, um über die Klagen von Städten und Fischern stromab gegen die Tieferlegung des Flussbetts zu verhandeln. Alles, was die Umweltschutzverbände als Kläger im letzten Verfahren von 2014 bis Anfang dieses Jahres vorgebracht haben, was aus ihrer Sicht nicht genügend gewürdigt, falsch bewertet oder vergessen worden ist – all diese Einwände bekommen nun eine letzte Chance, das scheinbar Unvermeidliche doch noch zu verhindern.

Worum ging es doch gleich? Um eine "Fahrrinnenanpassung", eine Anpassung an ein sogenanntes Bemessungsschiff, das 2006, im Jahr der Planung, noch groß erschien, das inzwischen aber längst von der Wirklichkeit überholt worden ist. So kleine Schiffe wie jenes, für das die Elbvertiefung einmal gedacht war, sind im Hamburger Hafen inzwischen eher selten.

Auch einige Gegenargumente wurden von der Wirklichkeit überholt. Hamburg brauche keine Elbvertiefung, für die Reeder liege der Hafen so günstig, dass er so oder so angelaufen werde – so haben BUND und WWF vor acht Jahren argumentiert. Heute behaupten sie mit derselben Emphase das Gegenteil: Als Containerhafen habe Hamburg ohnehin keine Zukunft, weil die Elbvertiefung den großen Frachtern, auf die es heute ankomme, längst nicht genügend Platz schaffe.

Aber interessiert sich noch jemand für solche Details? Hamburg und der Bund als Träger des Vorhabens haben sich längst festgelegt, genau wie auf der anderen Seite die Umweltverbände. Jeder weiß vom anderen, dass der es sich unmöglich leisten kann, die eigene Position nach so vielen Jahren des Streits noch infrage zu stellen. Ein Austausch von Argumenten kann unter diesen Umständen kaum mehr als eine Fortsetzung der Feindseligkeiten sein.

Trotzdem lohnt es, das Schlachtfeld noch einmal zu besichtigen. Falls die Hamburger in einigen Monaten die Baggerschiffe auslaufen lassen, wäre es doch gut, wenn sie wüssten, was sie tun.

Also: Was ist neu an dem, was die Umweltverbände vortragen? Geht es um Details, oder geht es ums Ganze? Und ist es plausibel?

Drei Einwände sind es vor allem, die das Ökolager vorbringt. Aus alten Karten der Elbmündung glauben die Umweltschützer herauslesen zu können, dass der Umbau des Flussbetts an dieser Stelle nicht so funktionieren werde, wie die Planer es sich vorstellen. Zudem deuten sie die wachsenden Schlickmengen im Hamburger Hafen und den Gehalt des Elbwassers an Schwebestoffen als Hinweis auf einen bedrohlich näher kommenden "Kipppunkt", jenseits dessen das Leben in der Elbe schlagartig absterben könne. Und schließlich, sagen die Umweltverbände, stünden inzwischen leistungsfähige Berechnungsverfahren zur Verfügung, um mögliche Folgen der großen Ausgrabung besser vorherzusagen. Man möge sie doch bitte anwenden.

Was soll man davon halten?

Die Karten der Umweltverbände wirken auf den ersten Blick eindrucksvoll. Sie zeigen die Elbmündung bei Cuxhaven, wo sich der Fluss an einer Sandbank teilt. Für die Planer der Elbvertiefung hat dieser Ort strategische Bedeutung. In einem der beiden Betten des geteilten Hauptstroms, in der sogenannten Medemrinne, wollen sie den Flussboden anheben, um die Menge des bei Flut in die Elbe strömenden Wassers zu verringern und Hochwasser und Flutschäden vorzubeugen.

Anhand einer aktuellen und einer 15 Jahre alten Karte weisen die Umweltschützer nun nach, dass Untiefen und Sandbänke in diesem Bereich sich in dieser Zeitspanne erheblich verändert haben. Wie könne man hoffen, fragen sie, ausgerechnet hier ein dauerhaftes Unterwasserbauwerk zu errichten, wenn doch Elbstrom und das Wechselspiel der Gezeiten alles Vorfindliche so schnell niederrissen und neu zusammensetzten?