Ein Film, der seine Zuschauer beschämt, anstrengt, ja richtiggehend quält, zwischendrin zu tollen Lachanfällen provoziert und dann wieder runterzieht, müde und ratlos zurücklässt und über den – in den üblichen Lokalen, Galerien und Redaktionen der Hauptstadt – in den nächsten Wochen wieder alle reden werden?

Die Kritiker von Deutschlandfunk Kultur haben dem Film Fikkefuchs, nachdem er beim Filmfest München für Applaus und entschiedene, fast verbissene Ablehnung gesorgt hatte, den Stempel "schon jetzt Kult" verpasst – zuletzt weigerten sich die Stadtwerke von München und Frankfurt wegen angeblicher sexueller Anstößigkeit, das Filmplakat an Bushaltestellen aufzuhängen (das Poster zeigt die Abstraktion eines Frauenunterkörpers). Gratulieren muss man Jan Henrik Stahlberg, bekannt als Fernsehschauspieler, Regisseur und Autor, und seinem Co-Autor Wolfram Fleischhauer, dass ihr kleiner Film, noch bevor er jetzt anläuft, so eine Welle macht.

Wovon handelt also der brutal nervige Film Fikkefuchs? In wenigen Sätzen: Der von Jan Henrik Stahlberg gespielte Vollidiot und Voll-Loser Rocky (hässliche Lederjacke, abstehende Ex-Hippie-Taxifahrer-Haare), Typ in die Jahre gekommener Lebenskünstler, der nie Kunst hergestellt hat und heute mit Wohnberechtigungsschein und Ikea-Tisch in zwei Zimmern am Friedrichshain wohnt, ein Neu-Berliner Original also, das einem aus der U-Bahn und bestimmten traurigen Eckkneipen gut bekannt ist, diese Figur des Rocky, in guten und jungen Jahren bekannt als Frauenheld und als "Stecher von Wuppertal", bekommt Besuch von seinem Mitte-20-jährigen Sohn Thorben, dem er nie begegnet ist (dargestellt vom auf grandiose Art verschlagen aussehenden Schauspieler Franz Rogowski, bekannt aus Love Steaks und Victoria, zuletzt dem Haneke-Film Happy End). Thorben ist pornosüchtig, er hat eine schwer gestörte Beziehung zu Frauen und seiner eigenen Sexualität und sitzt wegen einer versuchten Vergewaltigung in einer Psychiatrie ein.

Ein Plot kann nicht viel bescheuerter und ausgedachter ausfallen – jedenfalls bittet der Sohn seinen Vater, ihm beizubringen, wie man das anstellt, "dass eine Frau Lust kriegt, mit einem wie ihm zu schlafen" (O-Ton Fikkefuchs). Vater und Sohn sind keine liebenswerten Trottel, wie man sie aus amerikanischen Komödien kennt – sie sind die kaputtesten, krankesten, asozialsten und sexistischsten Frauenhasser, die das deutsche Kino je gesehen hat. Den Frauen macht Thorben tourettesyndromhafte Avancen und ruft jenen, die ihn ablehnen, ein natürlich nicht ganz unamüsantes "du Volvo fahrende Bioladen-Fotze" hinterher. Im Off spricht Rocky: "Ich mag junge Frauen. Ich bin mir da treu geblieben. Ich will das Reh."

Auf 101 Minuten ereignet sich nun alles, was zwei sich als Provokateure gerierenden, letztlich aber recht bieder denkenden Autoren für ihre zwei Antihelden eben so einfällt: Ihre beiden Gestörten machen sich auf große Frauen-Angrab-Tour, es geht in die "Flatrate Fuck Factory" oder ins Anmach-Seminar für geknechtete Männer (Therapie mit Penis-Gummibällen, oje). In Stahlbergs Film gibt es Szenen, deren Überdrehtheit Funken schlägt (etwa wenn Thorben das Holocaust-Mahnmal mit einem Schlaraffenland für Swinger verwechselt: "Hier geht einiges"). An seinen müden und merkwürdig depressiven Stellen aber, und die sind deutlich in der Mehrzahl, hat Fikkefuchs, der eine politisch unkorrekte Komödie sein möchte – eine Farce für das intelligente Kinopublikum, dem die deutsche Komödie sonst zu blöd ist –, selber nicht viel mehr zu bieten als eine Matthias-Schweighöfer-Komödie.

Und so legt sich, spätestens nach der Hälfte des Films, erst Beklemmung über den Zuschauer, dann erfassen ihn Unruhe und Ärger. Ein Detail, das viel über den Humor von Fikkefuchs aussagt – diesen Film von gelangweilten Berlin-Hipstern für gelangweilte Berlin-Hipster –, ist die schlecht gemachte Glatze des lächerlichen Casanovas Rocky. Der Zuschauer soll über die Platte des Rocky "ablachen" – im Gegensatz zum Lachen ist das Ablachen bekanntlich eine Humoräußerung, bei der der Lachende sich überlegen fühlen darf und seinen Ennui zu erkennen gibt, nach dem Motto: "Wir haben alles Schöne und Hässliche auf dieser Welt gesehen, es langweilt uns beides gleichermaßen – jetzt machen wir uns über die Dinge lustig, die so hässlich, dumm und peinlich sind, dass sie schon wieder gut sind." Entsetzlich.

Fikkefuchs wurde durch Crowdfunding finanziert, mit einem vergleichsweise sehr schmalen Budget von 120.000 Euro. Von irgendwoher gibt es die sicher auch nachvollziehbare Verabredung, dass Filmen, die sich ohne Filmförderung oder TV-Gelder behaupten müssen, in der Kritik ein behutsamer Umgang zusteht – versuchen wir das hier auch einmal:

Was Fikkefuchs zu einem Hit und, besonders in den Wochen der MeToo-Debatte, zu einer sozialen Bombe macht, ist natürlich sein Thema: Sex – der schnelle, schmutzige, anonyme Sex, von dem Männer angeblich nicht genug kriegen können (interessanterweise konnte der Film von der aktuellen MeToo-Debatte noch nichts wissen, das Drehbuch entstand vor mehr als drei Jahren). Der weibliche Kampf um Gleichberechtigung und der Feminismus – gewagte These, aber so sehen das offenbar die beiden Autoren – haben die Männer zu stumpfen Tieren gemacht: Sie wollen nicht mehr reden (Männer wollten noch nie reden, und wenn doch, nur kompletten Unsinn), sie wollen verachten und ihren Schwanz verlegen.

Im Presseheft von Fikkefuchs erzählt der Co-Drehbuchautor Wolfram Fleischhauer, dass ihr Film als Antwort auf Eve Enslers Die Vagina-Monologe entstanden sei: Natürlich, Fikkefuchs soll auch eine Antwort auf feministisches Kino sein. In einer der wenigen realistischen, deshalb umso stärkeren Szenen bekommt Rocky Besuch von der Mutter seines Sohnes, die für den traurigen Egoisten nur noch Verachtung übrig hat ("Mein Gott, bist du armselig"). Als Feindbild hat Fikkefuchs die alleinerziehende, frustrierte, zwischen Kindererziehung und Selbstverwirklichung taumelnde Mutter ausgemacht (Kommentar des spazieren gehenden Alltagsphilosophen Rocky: "Diese ätzende weibliche Deutungshoheit ist in meinen Augen selbst äußerst sexistisch"). Wenn sich diese zwei einsamen Menschen – tragische Fälle, Veteranen und Verlierer im Geschlechterkampf – am Küchentisch gegenübersitzen, dann ist nichts lustig. Aber viel sehr traurig und wahr.

Kino - »Fikkefuchs« (Trailer) © Foto: Alamode Film

Männer wissen aus Schulzeiten, aus Zeltlagern und aus den Duschen im Sportverein, dass es schnell sehr dumm und finster werden kann, wenn das angeblich starke Geschlecht über Penisse und die Frauen schwadroniert, die dummerweise immer nicht zu kriegen sind. In ihrem Film tun Stahlberg und Fleischhauer so – das ist schon ein erstaunliches Problem für zwei intelligente Filmemacher –, als wäre der Sexismus, allein weil sie ihn ironisch überhöht und restlos übertrieben darstellen, eine prima Quelle für eine Komödie. So funktioniert das aber nicht. Es gibt keinen irgendwie interessanten oder charmanten oder halb richtigen Frauenhass, es gibt nur einen vollkommen stumpfen und idiotischen. Die Dummheit und die Harmlosigkeit von Stahlbergs Film liegen im Gestus der Grenzüberschreitung. Der "Endlich sagt das mal einer"-Effekt ist aber auch in der Kunst meistens schlecht (es gibt Gründe, warum Dinge bisher so nicht gesagt worden sind – sie sind dumm oder reaktionär oder gähnend langweilig).

Es ist jenes in Wahrheit, wie sagt man? – genau, vulgärfeministische Menschenbild von Fikkefuchs, das dem Kritiker so auf die Nerven geht: Männer sind in diesem Film so arm, sie können sich eigentlich nur noch selbst abschaffen. Möglich, dass der Feminismus – besonders in Großstädten, besonders in den sogenannten gehobenen Bildungsschichten – eine Generation von Nervenwracks und Frauenhassern hervorgebracht hat. Die Frage lautet: Wer will einen ganzen Kinoabend mit diesen Typen verbringen?