Viele Hochschulen vergeben Preise für gute Lehre. Sie zeichnen damit Wissenschaftler aus, die leidenschaftlich unterrichten und ihre Studenten begeistern. Solche Preise sind wichtig, bilden sie doch ein Gegengewicht zur einseitigen Betonung der Forschung, die vielerorts herrscht. Und doch bekommen solche Preise stets Einzelne. So, als ob eine Hochschule Lehre nicht überall und strategisch verbessern könnte.

Der neue "Genius Loci"-Preis, der, wie es heißt, "einzige deutschlandweite institutionelle Preis für exzellente Lehre", schließt daher eine echte Lücke. In dieser Woche wird der Stifterverband die ersten Preisträger bekannt geben: die Technische Hochschule (TH) Köln, die größte Fachhochschule des Landes, und die RWTH Aachen, eine der Elite-Universitäten der Republik. Beide Hochschulen rücken ihre Studenten in den Mittelpunkt.

"Gute Lehre ist soziale Verantwortung", sagt die Vizepräsidentin der TH Köln, Sylvia Heuchemer, "wir denken Lehre vom Lernen her." Also nicht fragen: Was ist das Lieblingsthema des Professors? Sondern: Wie nehmen die Studenten am meisten mit? Da an der TH Köln viele Bildungsaufsteiger studierten, die in Teams besonders viel lernten, hat die TH alle Bachelorstudiengänge auf projektbasierte Lehre umgestellt. Natürlich gibt es Grundlagenvorlesungen, doch viele Studenten verbringen die Hälfte ihrer Zeit damit, zu lernen, wie man etwa ein Start-up gründet oder den Alltag von Behinderten verbessert. Jeder neue Professor bekommt ein Jahr lang einen Lehrcoach an die Seite gestellt, verpflichtend, ohne Ausnahme. "Die Reputation für gute Lehre ist ein Standortvorteil für eine FH", sagt Heuchemer.

Die RWTH entwickelt gute Lehre gemeinsam mit Studenten, sie nennt das den "Aachen Way". "Studierende wollen zur Leistung geführt werden", sagt Prorektor Aloys Krieg, "und wir wollen sie zum Erfolg führen." Hunderte "rauszuprüfen", wie es an Ingenieurfakultäten jahrzehntelang üblich war, sei indes kein Erfolg. Die RWTH führt anders. Werden Veranstaltungen schlecht evaluiert, muss der Professor zum Gespräch mit dem Studiendekan. "Der Stellenwert der Lehre", sagt Krieg, "ist dadurch deutlich gestiegen."