Als der große Gigi Buffon, 39 Jahre alt, unmittelbar nach Abpfiff des Spiels stellvertretend für alle Italiener bittere Tränen vergoss, sprach er einen Satz, der genauso untergegangen ist wie Minuten zuvor beim 0 : 0 gegen Schweden die italienische Nationalmannschaft, also der Stolz des ganzen Landes. Er sagte: "Wir haben etwas verpasst, was für den sozialen Zusammenhalt viel bedeutet hätte." Dann verkündete er seinen Rücktritt als Nationaltorwart.

Hätte sich Italien in den Play-offs doch noch für die WM in Russland qualifiziert, wäre Buffon der erste Spieler in der Geschichte der Weltmeisterschaften gewesen, der an sechs Turnieren hintereinander teilgenommen hat.

Kurz darauf titelte die Gazzetta dello Sport, das Zentralblatt aller italienischen Sportfans: "Italien, das ist die Apokalypse" – da war er wieder, der fatale Hang der Italiener, auch das Begreiflichste und Absehbarste als Fügung des Schicksals statt als Chronik eines angekündigten Versagens zu sehen.

Bereits das brillante Auftaktspiel der Nationalmannschaft bei der vergangenen EM war allein dem Trainer Antonio Conte zu verdanken, der aus einer schon damals allenfalls mittelmäßigen Mannschaft das taktisch vielleicht am besten aufgestellte Team des Turniers machte. Im Viertelfinale scheiterte es dennoch unglücklich im Elfmeterschießen gegen die Deutschen.

Danach nur Fehlentscheidungen: Als Präsident des Fußballverbandes kam der 74-jährige Carlo Tavecchio, ein alter Christdemokrat und Kungler, dessen größte Leistung es ist, dass er den Zerfall des alten italienischen Parteiensystems überlebt hat. Als Trainer suchte er sich den international völlig unerfahrenen 69-jährigen Gian Piero Ventura, der bis dahin als ranghöchste Vereine den SSC Neapel und den FC Turin geleitet hatte, die arme Stiefschwester vom strahlenden Juventus – obwohl Italien über einige der besten Trainer der Welt verfügt. Und das alles vor dem Hintergrund bekannter Missstände: der mangelnden Rekrutierung von einheimischem Nachwuchs, der Gewalt in den Stadien, des Niedergangs des Clubfußballs (von Juve abgesehen).

Italiens Fußball müsste sich also von Grund auf erneuern. So wie alles andere im Land auch – von der Infrastruktur bis zum Wahlgesetz. Was aber kommt nach dem Weltuntergang? Die gläubigen Italiener würden sagen: "Ein göttlicher Spieler, so wie Buffon." Die, die nicht glauben, aber den Fußball lieben, dagegen: "Ein Wunder, was sonst?"

Ja, was sonst?