Robert Trappl ist not amused. Er wurde als Redner gebucht, "und wissen s’, wie ich in der Einladung bezeichnet wurde? Als Doyen der österreichischen Artificial-Intelligence-Forschung. Das klingt ja, als wär ich uralt!" Weshalb er sich etwas überlegt hat. "Ich werd mir einen Stock besorgen", sagt der 78-jährige Wissenschaftler und stützt sich amüsiert auf eine imaginäre Gehhilfe. "Mit dem werd ich auf die Bühne humpeln, und wenn ich dort bin" – im Gehen springt er plötzlich auf, reißt die Arme in die Höhe und dreht sich in der Luft um 180 Grad – "na, die werden schauen!"

Der Doyen der Artificial-Intelligence-Forschung in Österreich will Robert Trappl also nicht sein. Doch er ist ihr bekanntester und wichtigster Vertreter, der nicht müde wird zu erklären, warum sein Lebensthema nicht als "künstliche Intelligenz" übersetzt werden sollte: "Intelligence bedeutet viel mehr Informationsverarbeitung. Die Central Intelligence Agency heißt ja auch nicht so, weil die so gescheit sind", sagt er.

Seit einigen Jahren, seit die Menschen mit ihren Smartphones sprechen und mit selbstfahrenden Autos unterwegs sind, erlebt Artificial Intelligence (AI) einen "irren Hype", wie Trappl sagt. Allein im Vorjahr wurden laut der Unternehmensberatung McKinsey zwischen 26 und 39 Milliarden Dollar in AI investiert.

Hierzulande ist Trappl der Mann, der diesen Hype erklärt. Diskussionen, Vorträge, Interviews, "es ist ständig irgendwas", sagt er. Erst am Vortag habe er bis zwei Uhr nachts im Büro des von ihm gegründeten außeruniversitären Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence in der Wiener Innenstadt gesessen. Wie er das durchhält? "Viel Fleisch, viel Schokolade, kein Obst, kein Gemüse,", sagt er und schaut vergnügt durch die rote Brille mit der runden Fassung, die zu seinem Markenzeichen geworden ist.

Bereits 1986, als Apple seinen Macintosh Plus mit einem Megabyte Arbeitsspeicher präsentierte und das iPhone noch nicht einmal eine ferne Utopie war, prophezeite Trappl, was heute unermüdlich diskutiert wird: AI werde körperliche und geistige Arbeit übernehmen. Beachtung fand der Kybernetiker lange nur in akademischen Kreisen; er veröffentlichte bei MIT Press und arbeitete mit Universitäten in aller Welt zusammen. "Vielleicht war ich zu früh dran", sagt er.

Heute steht AI auch als Synonym für eine Bedrohung, welche die Menschheit auslöschen könnte. Davor warnt der Physiker Stephen Hawking ebenso wie die Silicon-Valley-Milliardäre Bill Gates und Elon Musk. "Alles keine AI-Forscher", sagt Trappl, der ausrückt, um die Maschinen zu verteidigen.

Trappl ist die Mensch gewordene Gegenthese zu den apokalyptischen Szenarien. Eine Superintelligenz, die – wie vom Philosophen Nick Bostrom postuliert – ein posthumanes Zeitalter einläutet, fürchtet er nicht. "Ich weiß nicht, wie das gehen sollte. Den Leuten, die das glauben, sage ich immer, sie sollen an den Zoo in Schönbrunn spenden. Damit der gut ausgestattet ist, wenn wir Menschen dort von den Robotern besucht werden."

Gerade die Angst vor Killerrobotern bringt aber ihn und seine Forschung nun ins Rampenlicht. Statt verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, kostet er das neu erwachte Interesse in vollen Zügen aus. Mit Hingabe spielt er den verrückten Professor. Bei einem Talk der globalen Konferenzreihe TEDx betritt er die Bühne mit einem T-Shirt, auf dem über aufgedruckten Pixelrobotern steht: "Crush All Humans". In diesem Sommer hat der leidenschaftliche Pantomime und Tänzer einen "Artificial Intelligence Dance"-Workshop beim Wiener Impulstanz-Festival geleitet. Das Motto: "Tanze Deinen Feind".