Daniel Hug ist sauer. "Kolonialismus" wirft der Direktor der Kölner Kunstmesse Art Cologne seinen neuen Konkurrenten am Rhein vor. Dabei machen Walter Gehlen und Andrea Lohaus eigentlich nichts anderes als Hug: Sie leiten eine Verkaufsmesse für moderne und zeitgenössische Kunst – in ihrem Fall die neue Art Düsseldorf.

Achtzig Galerien nehmen diese Woche an dem Experiment auf dem Areal Böhler teil. 204 waren es vergangenen April auf der Art Cologne: Wer allein von der Größe auf die Bedeutung der jeweiligen Veranstaltung schließt, kommt schnell auf David und Goliath. Wie also sollte Düsseldorf seinen Nachbarn kolonialisieren? Doch es gibt auch Details zum Aufhorchen. Hug, der 2009 eine marode Messe übernahm und sukzessive wieder aufbaute, hat Jahre gebraucht, um wichtige Galerien wiederzugewinnen. Nach Düsseldorf reisen nun renommierte Protagonisten wie David Zwirner oder Marlborough Contemporary aus New York gleich zur Premiere an. Es gibt junge, aufstrebende Teilnehmer aus Berlin: Alexander Levy oder Dittrich & Schlechtriem. Und natürlich Galeristen aus Düsseldorf, die voll Stolz auf ihre Stadt blicken: Private Initiativen wie die 2016 eröffnete Sammlung Philara im ehemaligen Arbeiterquartier Flingern demonstrieren ein neues Selbstbewusstsein. Lange stand man im Schatten der rheinischen Kunstmetropole Köln, die mit der Art Cologne den ältesten Umschlagplatz überhaupt besitzt. 1967 wurde die Kunstmesse hier erfunden.

Die Art Düsseldorf greift nun direkt an. Mit einem ähnlichen Konzept und der potenten Schweizer Messegesellschaft MCH im Rücken, die sich eingekauft hat, um ihr Portfolio an regionalen Messen zu erweitern. Es ist dieser Einstieg, der Hug zu seiner Bemerkung vom "Kolonialismus" veranlasst. Denn mit MCH nimmt jener Konzern Einfluss auf die deutsche Messestruktur, unter dessen Dach sich die Art Basel zum international player mit Ablegern in Miami und Hongkong entwickeln konnte. Was den Kölner Messe-Chef besonders schmerzen dürfte, ist die hohe Zahl von Kölner Galerien, die an der Art Düsseldorf teilnehmen. Boisserée, Heinz Holtmann, Christian Lethert, Markus Lüttgen, Priska Pasquer oder Thomas Zander: Ein ganzes Dutzend will sich nicht solidarisieren, sondern wechselt, zumindest in diesem Herbst, die Seiten. Aus ihren Reihen vernimmt man Unzufriedenheit mit Hugs Stil. Er höre nicht zu und sei resistent den Wünschen von Galeristen gegenüber, die sich die Art Cologne und ihre Ausstrahlung in die Stadt anders vorstellten.

Vielleicht verpufft die Art Düsseldorf als Warnschuss, vielleicht etabliert sie sich aber auch. Was auf der Hand liegt: Zwei Messen, die sich in vieler Hinsicht so nahe sind, haben auf Dauer keine Chance. Internationale Sammler, von denen die Geschäfte ebenso abhängen wie von ansässigen Kunstkäufern, kommen nicht zweimal jährlich in die Region – dafür ist das Angebot an Messen von Paris über Miami bis Bogotá schlicht zu groß.