Als kürzlich in Portugal Wälder brannten, sandten die Portugiesen einen Hilferuf ab: Wir brauchen Löschflugzeuge! Andere europäische Staaten konnten keine Flugzeuge entbehren. Es half schließlich: Marokko. Die Regierung entsandte zwei Maschinen des Typs Canadair 415 – die beste Waffe im Kampf gegen das Feuer. Trotzdem starben in Portugal 64 Menschen.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte danach im EU-Parlament: "Der EU-Zivilschutz arbeitet noch nicht zu 100 Prozent. Es ist nicht normal, dass, wenn ein Feuer an einem Sonntagmorgen in Portugal ausbricht, wir bis Mittwoch warten müssen, bis ein erstes europäisches Flugzeug zur Hilfe kommt. Wir müssen da schneller werden!" Die Hilfe Marokkos erwähnte er nicht. Vielleicht hätte der stolze Europäer Juncker sich überwinden und sagen sollen: "Wir mussten uns von Marokko helfen lassen!" So ein Satz aus Junckers Mund hätte viele Europäer wachrütteln können. Sie hätten sich gefragt: Kann sich die Europäische Union nicht selber helfen?

In Europa verbrannten in diesem Jahr knapp 10.000 Quadratkilometer Wald, das entspricht der Hälfte der Fläche von Hessen, eine Steigerung von 320 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Höhere Temperaturen, lange Trockenheit, Wind – das sind die Hauptursachen für diese Katastrophen.

Der Klimawandel lässt sich nicht schnell bremsen, doch bereits ausgebrochene Brände kann man löschen. Das könnte Menschenleben retten: Im vergangenen Jahr sind insgesamt 150 Europäer im Feuer gestorben. Christos Stylianides, Kommissar für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz, sagte nach den Bränden in Portugal: "Wir müssen klar sehen, dass der derzeitige EU-Mechanismus an seine praktischen Grenzen gestoßen ist!" Am 22. November wird Stylianides Reformvorschläge unterbreiten. Dazu gehört wohl auch der Aufbau einer EU-Löschflugzeugflotte.

Woher aber soll das Geld kommen? Die Union selbst hat dafür kein Budget. Der Zivilschutz ist zudem Sache der Mitgliedsstaaten, die EU kann also nur koordinieren. Doch trotz der katastrophalen Nachrichten aus jüngster Zeit gibt es einen sehr unterschiedlich großen Leidensdruck. Das Krisenkoordinationszentrum der EU schätzt die Waldbrandgefahr so ein: Gering ist sie für den Alpenkamm, das Alpenvorland, große Teile Deutschlands, Skandinaviens und des nördlichen Osteuropas. Besonders bedroht sind dagegen die Mittelmeerländer Kroatien, Italien, Frankreich, Spanien und auch Portugal.

Wer einen höheren Bedarf hat, der müsse ihn auch abdecken. Das, so hört man aus verschiedenen Brüsseler Quellen, sei die Position, die Deutschland und Österreich in der Sache vertreten.

Selbst wenn man dieser engstirnigen Logik folgen wollte, bliebe ein Problem: Die Portugiesen können allein gar keine Canadairs kaufen. Denn sie werden nicht mehr hergestellt. 2016 verkaufte Bombardier das Canadair-Programm an die ebenfalls kanadische Viking Air. Die Produktion der Maschine wurde eingestellt. Rob Mauracher, Verkaufsdirektor von Viking Air, sagt: "Wir sind bereit, sie wieder zu bauen." Allerdings lohne sich das nur, wenn eine gewisse Stückzahl garantiert sei. "20 bis 25 müssten es schon sein", sagt Mauracher. Eine Canadair 415 kostet rund 30 Millionen Euro. Wollten die europäischen Länder ihren Mangel an diesen Löschflugzeugen beheben, müssten sie zwischen 600 und 750 Millionen Euro bereitstellen. Bei 27 Ländern ist das keine Riesensumme.

Vielleicht wird die Wirklichkeit europäische Solidarität erzwingen. Im Sommer 2017 gab es einen Waldbrand in Irland, das für seine regennasse Feuchtigkeit berühmt ist und kaum noch Wälder hat. Das ist eine Warnung für die Zukunft: Es wird auch an Orten brennen, die bisher verschont geblieben sind. Und es wird länger brennen. Die Waldbrandsaison in Europa dauert normalerweise von April bis September. Als die 64 Menschen in Portugal starben, war es Ende Oktober.