Ich will Sie nicht langweilen, aber es kommt hier jetzt leider noch mal was zu den Paradise Papers. Die sind zwar inzwischen ein bisschen oll, irgendwie has been, aber keine Sorge, es geht hier nicht um deren Inhalte. Ich schreibe noch nicht mal darüber, wie krass das eigentlich ist, dass die schon so abgestanden wirken, keine zwei Wochen nach ihrem Erscheinen. (Wobei das natürlich krass ist! Alles so schnell schon wieder egal?)

Sich darüber aufzuregen, dass diese Papers unter dem Eindruck der nächsten Sauen, die durchs Dorf getrieben werden, schon wieder in Vergessenheit geraten, ist nämlich auch ziemlich fad. Wie viele Klagetexte haben Sie in Ihrem Leben schon gelesen über die Kurzlebigkeit des öffentlichen Interesses an schlimmen Skandalen?

Die haben zwar recht – denn wie steht es noch mal im Anis-Amri-Untersuchungsausschuss? Und hatte Trump jetzt eigentlich was mit Putin oder nicht? Und wurde der deutsche Verfassungsschutz tatsächlich reformiert nach dem NSU-Skandal? Und so weiter. Aber genauso vorhersehbar wie die Kurzlebigkeit der Aufmerksamkeit sind halt die Texte, die sich über diese Kurzlebigkeit beklagen.

Skandalberichterstattung geht doch in aller Regel etwa so: ... SKANDAL! Bericht über den Skandal. Empörte Kommentare zum Skandal. Neue Details im Skandal. Erste juristische Konsequenzen im Skandal (steht schon nicht mehr auf Seite 1). Pause. Über die kommenden Wochen und Monate: Rücktritte und Entlassungen, seltener: Verhaftungen, Gefängnisstrafen. Pause. Zusammenfassender Rückblick auf die Inhalte des Skandals. Längere Pause. Dann, endlich, der Aufschrei: Skandal! Der Skandal ist verpufft!

Und dann ist der Skandal auch wirklich verpufft. Dann ist die Geschichte zu Ende.

Wobei, halt, eben nicht! Denn ganz ehrlich, wie oft haben Sie eigentlich in den vergangenen Wochen noch an die Panama Papers gedacht, die Vorgänger der Paradise Papers?