Zürich 1917. Vor den Gräueln des Ersten Weltkriegs fliehen viele Künstler hierhin, im Cabaret Voltaire in der Spiegelgasse 1 entsteht aus der Verzweiflung über all den Irrsinn die Dada-Bewegung. Richard Huelsenbecks Dada-Gedicht Das Ende der Welt beginnt mit den Zeilen: "So weit ist es nun tatsächlich mit dieser Welt gekommen. Auf den Telegrafenstangen sitzen die Kühe und spielen Schach ..."

Etwas weiter, in der Spiegelgasse 14, wohnt Wladimir Uljanow, genannt Lenin; unberührt von diesen "Dada-Verrücktheiten" plant er die russische Revolution. Eine höchst ernsthafte Angelegenheit, allenfalls ein paar Schachpartien mit seinen Mit-Exilanten gestattet er sich. Er spielt zwar gut, hätte aber laut seinem Bruder Dimitri bei mehr Hingabe noch viel besser werden können. Doch obwohl Lenin sagt: "Schach ist Gymnastik des Verstandes", betrachtet er es nur als ein Spiel. Das er indes – Widersprüchlichkeit menschlicher Natur – durchaus ingrimmig betreibt.

Neun Jahre früher: 1908. Lenin ist auf der Insel Capri bei Maxim Gorki zu Gast, hoch über dem Meer spielt er mit Alexander Bogdanow, seinem Rivalen um die Führerschaft bei den Bolschewiki. Ein berühmtes Foto zeigt die beiden beim Schachspiel, mit Gorki als Kiebitz. Der Lenin als schlechten Verlierer bezeichnet.

Vermutlich blickte Lenin auch griesgrämig drein, als er als Weißer Gorki selbst in dieser nicht sicher verbürgten Partie gegenübersaß. Wie gewann Gorki als Schwarzer?

Lösung aus Nr. 46:

Mit welcher feinen Idee gewann Schwarz am Zug sofort?

Nach 1...Lc3! und dem "Racheschach" 2.Ta6+ Kh7 gab Weiß schon auf, weil 3.Txa3 Tc1+ 4.Ke2 Te1 ein hübsches Miniaturmatt ergäbe und ansonsten der freie a-Bauer einfach zur Dame liefe