Es gibt zu viele Spinnenarten und zu viele Staubsaugermodelle, um diese Frage einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Aber es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass eine Spinne das Aufgesaugtwerden überlebt, sich im Beutel des Staubsaugers wieder aufrappelt und durch den Schlauch zurück ins Freie krabbelt. (Ich spare mir an dieser Stelle eine moralische Belehrung darüber, dass Spinnen doch sehr nützliche Tiere sind. Viele Menschen ekeln sich vor Spinnen und wollen sie nun mal nicht behutsam mit einem Glas aufheben und lebendig ins Freie bringen.)

Ein moderner Staubsauger lässt eine Spinne mit einer Geschwindigkeit von über 100 Kilometern pro Stunde durchs Rohr schießen. Dabei wird sie immer wieder gegen die Innenwand des Rohrs geschleudert, was nicht gut für ihren empfindlichen Körper und ihre Gliedmaßen sein kann. Im Jahr 2007 haben brasilianische Forscher tatsächlich 240 Spinnen im Dienst der Wissenschaft aufgesaugt, und kaum eine überstand diese Achterbahnfahrt. Ferner zeigten die Brasilianer, dass in der trockenen, lebensfeindlichen Umgebung des Staubsacks nur wenige Spinnen eine Woche lang überleben können. Auch Spinneneier entwickeln sich dort nicht. Vor allem aber führt bei fast allen modernen Staubsaugern kein Weg zurück ins Freie, denn die Geräte haben ein Hygieneventil oder zumindest eine Rückschlagklappe. Menschen, die aus lauter Spinnenangst auf Nummer sicher gehen wollen, empfehlen die brasilianischen Forscher, nach dem Saugen den Beutel zu wechseln, ihn zu versiegeln und dann draufzutreten – "mit angemessenem Schuhwerk".

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