Leichen pflastern unseren Weg: Fahrradleichen. Sie säumen Rad- und Fußwege, rosten an Bügeln und Bäumen vor sich hin, mancherorts scheinen die von Tieren und wütenden Anwohnern malträtierten Fahrradruinen längst integraler Bestandteil von Hecken und Zäunen zu sein. Fans antiker Räder hoffen bei jedem gefällten Baum sehnlichst auf die Entdeckung original erhaltener, komplett von Baumwurzeln umschlungener Velos von 1968. Nichtfans registrieren allein im Viertel Hoheluft-Ost auf einer Strecke von 800 Metern ganze zehn Fahrräder, rostig und mit zerfallenden Sätteln. Einige von ihnen tragen sogar schon den orangeroten Anhänger, auf dem ihre Entsorgung angekündigt wird, doch auch der Zettel ist zerfallen und kaum noch lesbar: Weshalb ließ man die Radruinen doch stehen? Und wie ist es überhaupt: Werden die Radleichen immer nur in den paar in den Medien groß angekündigten Schwerpunkt-Aktionen entsorgt?

Mitnichten. Stellt ein Polizist oder ein Bezirksamtsmitarbeiter wann auch immer fest, dass ein Fahrrad ganz offensichtlich schon viel zu lange an einer Stelle steht, gar verkehrsuntauglich ist oder die Verkehrssicherheit gefährdet, kann er das Rad mit einem leuchtend orangeroten Aufkleber versehen. Auf dem ist eine Frist von mindestens 14 Tagen vermerkt, innerhalb derer der Radbesitzer seinen Schrott noch wegbewegen kann – Achtung: Nur ein paar Zentimeter nach vorne rücken gilt nicht! Ist der Zeitraum abgelaufen, kommen die freundlichen Mitarbeiter der Stadtreinigung zwecks Entsorgung.

So weit das Prozedere in der Theorie. "Allerdings", sagt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung, "wissen Anlieger oft besser, welche Räder tatsächlich von den Besitzern aufgegeben worden sind." Oder welche der mit der Umgebung verschmolzenen Bikes keine Kunst sind, sondern eindeutig weg können. In dem Fall muss man keinem Polizisten auflauern und ihn zum Fahrrad schleppen, man muss auch nicht wutschnaubend im Bezirksamt erscheinen, nein, zum Melden der Schrotträder genügt die "Hotline Saubere Stadt" der Stadtreinigung, Telefon 25 76-11 11, oder die App.

Die Stadtreinigung kann dann allerdings nicht gleich selbst tätig werden – hoheitliche Aufgabenteilung! Sie gibt die Radmeldungen an die jeweils zuständigen Bezirke weiter. Die schicken jemanden zum "Abzetteln" los. Und nach Ablauf der Frist kommen wieder die Stadtreiniger mit geschulterter Flex und führen das Ex-Rad dem legalen Schrott zu. Oder, wenn es in Teilen noch brauchbar ist, der Fahrradwerkstatt der Stadtreinigung, wo es repariert wird, um in den Gebrauchtwarenkaufhäusern der Kette Stilbruch günstig angeboten zu werden.

Sollten Sie also Ihr altes Rad vor Monaten irgendwo abgestellt und dann niemals wiedergefunden haben und im Stilbruch auf ein Fahrrad stoßen, das fast so aussieht wie Ihr altes, nur neuer – es kann es glatt sein! Ach so: Zwischen Hotline-Meldung und Entsorgung können, so Fiedler, "vier bis sechs Wochen vergehen". Dauert es erheblich länger, fängt am Ende gar der orangerote Zettel an zu verrotten, sollte man, empfiehlt er, das untote Rad noch mal melden. Denn bei einer hoheitlichen Aufgabenteilung kann es immer gewisse Reibungsverluste geben.